Bald Vorbild für die ganze EU? Italien will an die privaten Goldbestände seiner Bürger

Der Erfindungsreichtum der Politik, sich am Vermögen der Menschen zu mästen, um die Folgen ihres eigenen Versagens zu kompensieren, kennt keine Grenzen. Die italienische Regierung will nun an die Goldreserven der Bürger, um ihren Haushalt zu stabilisieren. Die italienische Staatsverschuldung liegt bei 135 Prozent der Wirtschaftsleistung, mehr also doppelt so hoch, wie die Maastricht-Kriterien der EU erlauben, die eine Höchstgrenze von 60 Prozent festlegen. Die Regierungsparteien Forza Italia und Lega sind daher auf die Idee gekommen, eine Steuer auf die Goldvorräte der Italiener zu erheben. Deren Umfang ist zwar unbekannt, der Goldanalyst Jan Nieuwenhuijs schätzte die Bestände vor fünf Jahren aber auf rund 5.700 Tonnen zum aktuellen Wert von 627 Milliarden Euro. Der hohe Goldpreis weckt Begehrlichkeiten – überall, aber vor allem in Italien.

Aufgrund der chronischen politischen Instabilität und der schwachen Lira-Währung haben dort viele Familien über Generationen Gold als Sicherheit angesammelt. Wer es verkaufen will, muss eine Kapitalertragsteuer von 26 Prozent auf den gesamten Verkaufserlös zahlen. Nun erhofft die Regierung sich einen Geldregen von etwa zwei Milliarden Euro, indem sie das Angebot einer einmaligen Abgabe von 12,5 Prozent auf den aktuellen Wert des Goldes macht. Bei künftigen Verkäufen fiele die Kapitalertragsteuer dann nur noch auf den Gewinn an. Bis Mitte nächsten Jahres soll eine Nachmeldefrist eingerichtet werden.

Experte: Goldvorräte unbedingt geheim halten!

„Niemand, der noch seinen gesunden Menschenverstand hat, wird sein Gold deklarieren und Steuern darauf zahlen, wenn man es untereinander handeln und gemeinsam die Steuer vermeiden kann“, stellte der Marktanalyst Mike Maharrey dazu fest. Die Menschen täten gut daran, ihre Vorräte an Gold geheim zu halten. Man wisse nie, wann man es brauchen könne, empfiehlt er. Nieuwenhuijs erklärte, er bezweifele „dass viele Gold-Eigentümer ihre Bestände deklarieren würden, wenn so ein Gesetz durchkäme. Letztlich halten die Menschen ja Gold genau deshalb, um die Auswirkungen finanzieller Manipulation durch Regierungen oder Zentralbanken auf sich möglichst gering zu halten“.

Zudem hätte ein solcher Plan die Folge, dass der italienische Staat einen Überblick über die privaten Goldbestände hätte. Darauf könnte er dann immer wieder zugreifen. Auch in anderen Ländern, einschließlich Deutschland, ist zu befürchten, dass ein umfassendes Vermögensregister angelegt wird. Die Bremer SPD erklärte bereits vor zwei Jahren: „Wir halten es für geboten, dass ein Lastenausgleich vorgenommen wird, ähnlich dem, wie er nach den großen Verwerfungen durch den Zweiten Weltkrieg in den frühen Jahren der Bundesrepublik vorgenommen wurde“. Der politisch verursachte Kollaps ganzer Volkswirtschaften, vor allem in Deutschland, wird über kurz oder lang zu einem solchen Lastenausgleich führen, bei dem der Staat seinen Bürgern schlicht und einfach ihren verbliebenen Besitz stiehlt. Der Vorstoß in Italien zeigt, dass solche Pläne bereits angedacht sind. (TPL)