Elisabeth Dieringer (FPÖ) im Jouwatch-Interview: „Auf der Seite der Eltern, der Kinder und des gesunden Menschenverstands!“
Elisabeth Dieringer, Kärntner FPÖ-Abgeordnete im Europäischen Parlament und unter anderem Mitglied im Ausschuss des EU-Parlaments für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter, zählt zu den profiliertesten Kritikern im EU-Parlament an der geplanten LGBTIQ-Gleichheitsstrategie 2026–2030 der EU-Kommission. Im Interview mit Journalistenwatch macht sie ihre Position hierzu deutlich.
JOUWATCH: Frau Dieringer, was hat es mit der LGBTIQ-Gleichheitsstrategie 2026–2030 der EU-Kommission auf sich – worum geht es genau und was erregt die Gemüter?
DIERINGER: Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen will mit ihrem Strategiepapier die sogenannte Selbstidentifikation auch für Minderjährige ermöglichen. Es sollen Geschlechtsänderungen ohne medizinische Begutachtung und teilweise sogar ohne Zustimmung der Eltern stattfinden. Eine Altersbeschränkung für diesen Identifikationsakt liefert die Kommission nicht, stattdessen könnten selbst Gespräche über Identität, Zweifel oder Therapieansätze unter Strafe stehen. Da spricht die EU-Kommission vom Verbot sogenannter Konversionspraktiken. Der ganze ungeheuerliche Unfug soll EU-weit gelten und in den administrativen, juristischen Alltag der Mitgliedstaaten einziehen. Wer sich nicht fügt, hat Fördermittelverweigerungen und anderes zu befürchten.
JOUWATCH: Welche Motivation hat die EU-Kommission für ihr Vorhaben?
DIERINGER: Da kann man nur mutmaßen. Die radikal „woke“ Gender-Ideologie, wie sie von der Leyen pusht, flankiert logischerweise die ökosozialistischen Planwirtschaftsbemühungen Brüssels. Hier geht es letztlich um Macht, beziehungsweise einen maßlosen Machtanspruch der Kommissions-Führung, die sich als supra-nationale Regierung etablieren will. Um diesen Plan durchzusetzen, wird nicht nur ins Wirtschaftsgefüge der Mitgliedstaaten eingegriffen, es werden auch die gewachsenen Rechtssysteme der eigentlich souveränen EU-Staaten sabotiert und gegebenenfalls für null und nichtig erklärt. Das ist ein unglaublicher Vorgang, der jetzt dadurch gekrönt wird, dass man die Familie und Geschlechterordnung zum Abschuss frei gibt.
“Abgrundtiefe Missachtung des psychischen und physischen Kindeswohls”
JOUWATCH: Das heißt?
DIERINGER: Aus gutem Grund hat die Rechtstradition in zivilisierten Ländern Altersbemessungen angesichts der Konfrontation mit dem Justizapparat ins Leben gerufen und pflegt sie. Erkenntnisfähigkeit, Schuldbewusstsein einer Zweijährigen sind etwa vor Gericht anders zu bewerten als die einer Sechzehnjährigen. Jetzt wird jedem Kind ohne zugelassene Hilfestellung der Eltern ein Selbstidentifikationsprozess mit wichtigen rechtlich bindenden Konsequenzen überlassen. Ganz nach dem Motto: Erst sollen Kinder ihr Geschlecht frei wählen dürfen und dann soll niemand mehr mit ihnen darüber reden dürfen. Das ist nicht Schutz, sondern Entmündigung und ideologische Umerziehung. Wer hier den Irrsinn und die abgrundtiefe Missachtung des psychischen und physischen Kindeswohls aus „woke“-ideologischen Gründen ignoriert, gehört jedenfalls nicht in eine verantwortungsvolle politische Position.
JOUWATCH: Was haben Sie nun vor?
DIERINGER: Nun, wir werden mit allen demokratischen Mitteln versuchen, den bevorstehenden idiotischen Legalisierungsakt zu unterbinden, und wir werden jeden Versuch bekämpfen, mit EU-Mitteln Gender-Ideologie in Schulen, Familien oder Kinderrechte einzuschleusen. Eltern haben ein Recht, ihre Kinder in wichtigen Entwicklungsphasen betreuend zu begleiten, ohne dass Brüssel über Vorschriften in die Familien hineinfunkt. Die EU sollte sich um Inflation, Migration und Energiepreise kümmern – nicht um ideologische Umerziehungsprogramme. Wenn allerdings der von der Leyensche Ansatz sich als das unwidersprochene Ergebnis einer mehrtausendjährigen Geistes- und Kulturgeschichte entpuppt, dann ´Gute Nacht, Europa.´
JOUWATCH: Frau Dieringer, herzlichen Dank für das Gespräch!