Ulrich Siegmund (Foto:AfDPresse)
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Ulrich Siegmunds Holocaust-Aussage: Der nächste inszenierte Pseudo-Skandal

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Die Aussage von Ulrich Siegmund, des AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, er wolle den Holocaust nicht pauschal als schlimmstes Verbrechen der Menschheit bezeichnen, wird derzeit für einen inszenierten Skandal missbraucht. „Das maße ich mir nicht an zu bewerten, weil ich die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten kann“, sagte Siegmund im „Politico“-Podcast „Berlin Playbook“. Zwar müsse man „immer aus Geschichte lernen, aber nicht nur aus einzelnen Aspekten der Geschichte, sondern aus der gesamten Geschichte“. Er sehe deshalb auch kein Problem darin, wenn auf Veranstaltungen, an denen er teilnehme, der Anheizer „Sieg!“ rufe und die Menge „Mund“ ergänze. „Was ist denn an meinem Namen falsch? Mein Name heißt Siegmund“, sagte er. Er kenne „keine negativen Assoziationen mit dem Namen Siegmund“. Der erste Schritt, wo er aus der Geschichte lerne, sei, „dass ich keine Sprachpolizei möchte“, so Siegmund weiter. „Wenn ich sage: Das darfst du sagen, das darfst du nicht sagen, weil das vor 80 Jahren mal so und so war, dann beginne ich, eine Sprachpolizei einzurichten“, kritisierte er. Auch für seine Teilnahme am angeblichen Potsdamer „Geheimtreffen“ vor zwei Jahren, bei dem es ganz am Rande um die „Remigration“ illegaler Migranten in ihre Herkunftsländer ging, wollte Siegmund keine Reue zeigen. „Remigration ist ein sehr gutes Wort“, stellte er klar. Das Treffen sei für ihn deshalb kein Geheimtreffen, sondern das „Potsdamer Kaffeekränzchen“.

Siegmunds Aussagen wurden unter anderem von der CDU, dem Ukraine-Hardliner Carlo Masala und dem Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Weimar – was sonst – natürlich scharf verurteilt. Unter diesem Druck sah die AfD sich schließlich zu der Erklärung gezwungen: „Der Holocaust ist das schlimmste Menschheitsverbrechen“.

Reflexiver Sturm im Wasserglas

Mit gezielten Suggestivfragen, die man Politikern anderer Parteien gar nicht erst stellen würde, wird hier wieder einmal ein künstlicher Skandal vom Zaun gebrochen, der natürlich wie gerufen kommt, da Siegmund gute Chancen hat, im nächsten Jahr erster Ministerpräsident der AfD zu werden. Es nimmt dem Holocaust nichts von seiner Barbarei, wenn man ihn in einen größeren Zusammenhang einordnet. Und dazu gehört der Hinweis, dass es allein im 20. Jahrhundert noch die Völkermorde an den Armeniern 1915 und an den Tutsi in Ruanda 1994 gab. Hinzu kommen unter anderem die Verbrechen der kommunistischen Diktaturen in der Sowjetunion, China und Kambodscha, die insgesamt ebenfalls dutzende Millionen an Todesopfern gefordert haben, die die des Nationalsozialismus zahlenmäßig übersteigen. Es ist geradezu geschmacklos, hier eine Liste mit Opfern verschiedener Ränge zu erstellen und anhand gar nicht definierbarer Parameter darüber zu debattieren, welchem Verbrechen welche Stufe gebührt, anstatt sich über die Ursachen und die Entstehung solcher totalitären Systeme zu verständigen. Hier wird auch verschwiegen, dass die Frage über die Singularität des Holocaust 1986 den erbittert geführten „Historikerstreit“ ausgelöst hat, eine der schärfsten intellektuellen Debatten der bundesrepublikanischen Geschichte. Heute wird aber so getan, als sei es stets unbestrittener Konsens gewesen, dass der Holocaust das schlimmste Verbrechen der Menschheit gewesen sei und sich jede historische Einordnung von selbst verbiete.

Der ganze reflexive Sturm im Wasserglas hat wieder nur den Zweck, einen aussichtsreichen AfD-Kandidaten ins Zwielicht zu rücken, dem man politisch nicht beikommt. Deshalb muss wieder einmal die immer gleiche Methode herhalten, ihn als Holocaust-Relativierer und vermutlich heimlichen Nazi-Apologeten zu brandmarken. Diese Taktik wird aber bei den Wählern in Sachsen-Anhalt nicht verfangen, und auch im Westen Deutschlands haben immer mehr Menschen endgültig genug von solchen inszenierten Scheindebatten, die nur von der Realität ablenken sollen. (TPL)

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