Sie machen sich im Netz an Kinder heran, gewinnen ihr Vertrauen mit falscher Freundlichkeit, locken sie in Chats und fesseln sie mit dem ersten intimen Foto. Dann schlägt die Falle zu: Erpressung, Demütigung, immer brutalere Befehle. Die Opfer werden missbraucht, gedemütigt, in die Ecke getrieben – manche bis zum Selbstmord. Genau dieses perfide Muster, das schon beim „White Tiger“-Netzwerk für Entsetzen sorgte, wiederholte sich in Südkorea und den Niederlanden.
Er nannte sich Pastor, aber er war ein Dämon mit Handy. Der 33-jährige Kim N. hat fünf Jahre lang ein perfides Terrorregime über Hunderte Mädchen und junge Frauen aufgebaut. Von Mai 2020 bis Januar 2025 führte er eine organisierte Bande an, die gezielt Minderjährige über soziale Medien und Messenger ansprach. Erst freundliche Worte, dann die erste Forderung nach einem harmlosen Foto.
Sobald das Bild da war, begann die Hölle. Mit dem ersten Nacktfoto in der Hand drehten sie den Spieß um: Entweder du schickst noch schlimmere Aufnahmen und tust, was wir sagen, oder wir schicken alles an deine Eltern, deine Schule, deine Freunde. Viele brachen sofort zusammen, andere versuchten, sich das Leben zu nehmen. Kim N. zwang die Mädchen zu Selbstverletzungen, zu sexuellen Handlungen vor der Kamera, manche sogar dazu, sich mit Fremden zu treffen. Er selbst vergewaltigte mindestens zehn von ihnen persönlich und ließ alles filmen – das neue Material war sofort die nächste Erpressungswaffe.
Jahrelang lebten die Opfer in einem unsichtbaren Gefängnis aus Scham und Todesangst. Erst Anfang 2025 fanden mehr als zweihundert Betroffene den Mut, gleichzeitig Anzeige zu erstatten. Die Polizei stürmte die Wohnungen, fand Tausende Videos und Chat-Protokolle. Das Ausmaß war so erschütternd, dass selbst gestandene Ermittler sprachlos waren.
Die Parallelen zum berüchtigten „White Tiger“- und „764“-Netzwerk sind unverkennbar: ein charismatischer Anführer, religiöse oder moralische Überhöhung, eine eingeschworene Bande und ein System aus totaler Kontrolle durch Erpressung. Nur dass Kim N. sich als Pastor tarnte und so noch leichter Vertrauen erschleichen konnte.
Jetzt ist er verurteilt – zu lebenslanger Haft, dem höchsten Strafmaß Südkoreas. Seine Mittäter bekamen teilweise über dreißig Jahre. Ein starkes Urteil, aber kein Trost für die Opfer, deren Leben für immer zerstört ist.























