Der Oldtimerclub will plötzlich Gesinnungskontrollen einführen – und verkauft das als „Offenheit“. Was früher ein unpolitischer Schrauberverein war, droht jetzt zum ideologischen Filter zu werden.
Der Mercedes-Oldtimerclub, der vdh, laut Eigenbeschreibung „Europas größte Schrauberverbindung für Mercedes-Benz-Fans und Hobbytechniker“, der jahrzehntelang problemlos ohne politische Einmischung ausgekommen ist, will plötzlich seine Satzung ändern. Offiziell heißt es, man wolle „offen“ und „vielfältig“ sein. In der Praxis bedeutet das aber: Mitglieder sollen rausfliegen können, wenn sie nach Meinung des Vereins in einer „extremistischen“ Partei oder Gruppe aktiv sind. Welche Parteien darunter fallen, wer das beurteilt und nach welchen Maßstäben – das bleibt offen. Genau hier beginnt das Problem.
Bisher galt schlicht politische Neutralität. Das war klar, funktional und für alle verständlich. Der neue Kurs hebt diese Neutralität faktisch auf. Nun heißt es:
„Der Verein ist politisch und konfessionell neutral, er steht für eine offene, vielfältige und diskriminierungsfreie Gesellschaft. Jede Form von Rassismus, Ausgrenzung oder politischem Extremismus steht im Widerspruch zu den Grundwerten des Vereins. Die aktive Mitarbeit in einer als gesichert extremistisch geltenden Organisation oder Partei ist mit einer Mitgliedschaft im vdh nicht vereinbar.“ Diese Gängelung öffnet die Tür dafür, dass der Verein künftig darüber urteilt, welche politische Haltung akzeptabel ist und welche nicht. Und das in einem Club, der eigentlich nur Menschen zusammenbringen sollte, die alte Autos lieben.
Ein langjähriges Mitglied hat deshalb bereits hingeworfen. Wie die Seite Reitschuster.de berichtet, sieht er den Schritt als Doppelmoral: Einerseits betont der Verein, unpolitisch bleiben zu wollen, andererseits wird ein politisches Prüfverfahren eingeführt – auch wenn man es nicht so nennt. Seine Kritik ist nachvollziehbar. Denn solche Regeln laden dazu ein, Meinungen nach persönlichem Geschmack einzuordnen. Und wenn die Kriterien schwammig bleiben, kann am Ende fast alles als „extrem“ ausgelegt werden.
Der Antrag verpackt das Ganze in wohltönende Begriffe. Doch die entscheidende Frage lautet: Braucht ein Oldtimerclub wirklich eine politische Haltung? Und warum sollte ein Verein, der sich um Fahrzeuge aus den 60er- oder 70er-Jahren dreht, plötzlich entscheiden, welche politischen Ansichten seine Mitglieder haben dürfen?
Was hier passiert, ist ein Beispiel dafür, wie schnell Vereine sich dem politischen Druck beugen und sich auf solche perfiden Regelungen willig einlassen. Statt einfach ein Ort zu bleiben, an dem Menschen wegen ihres Hobbys zusammenkommen, wird ein unnötiger Konflikt geschaffen. Am Ende verlieren alle – vor allem das Gemeinschaftsgefühl, das eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte.
(SB)






















