Kündigung aus politischen Gründen? Hunderte Wissenschaftler setzen sich für Bibliothek des Konservatismus ein
Kündigung aus politischen Gründen: Renommierte Wissenschaftler fordern die Direktorin des Bibliotheksverbundes,den unbegründeten Ausschluss der Bibliothek des Konservatismus rückgängig zu machen. Ihre klaren, fundierten Argumente verdeutlichen, dass hier nicht nur Bücher, sondern intellektuelle Vielfalt bedroht sind.
Die Bibliothek des Konservatismus (BdK) in Berlin war weit mehr als ein Regal voller Bücher – sie war ein einzigartiger Ort der intellektuellen Vielfalt und Forschung. Gegründet auf der Sammlung des Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing, sammelte die Bibliothek über 35.000 Titel, darunter historische Quellen, wissenschaftliche Analysen und Schriften aus dem gesamten Spektrum konservativen Denkens – national, europäisch und international. Sie bot nicht nur Zugang zu seltenen Texten der sogenannten „Konservativen Revolution“, sondern auch zu libertären, politischen und philosophischen Werken, die andernorts schwer zugänglich sind. Mit Lesesaal, Seminaren, Vorträgen und Tagungen war die BdK ein Treffpunkt für Wissenschaftlerinnen, Studierende und alle, die sich mit konservativen Ideen kritisch auseinandersetzen wollten.
Die Bibliothek verstand sich als Forschungs- und Bildungsort, nicht als politische Plattform. Sie dokumentierte konservatives Denken, ohne Inhalte zu propagieren, und bot damit einen Raum für Debatten, Analyse und historisches Lernen. Ihre Schließung ist daher kein bürokratischer Akt – sie ist ein gezielter Angriff auf intellektuelle Vielfalt. Wer unbequeme Ideen aus dem öffentlichen Diskurs verdrängt, schwächt die demokratische Kultur. Die BdK bewahrte Wissen, das sonst im Schatten verschwinden würde, und machte es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Der Gemeinsame Bibliotheksverbund und dessen Leiterin Regine Stein hatte die mutmaßlich politisch motivierte Kündigung zum 31. Dezember ausgesprochen und behauptet, die BdK würde „als Betrieb des Landes Niedersachsen (…) seiner Aufgabe als öffentlich-rechtliche Institution nicht gerecht“. Hunderte Wissenschaftler, Professoren, Publizisten und Medienschaffende protestieren gegen den Versuch, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit in Deutschland einzuschränken und setzen sich nun für die BdK ein. Unterstützt wird die Bibliothek von prominenten Wissenschaftlern wie Andreas Rödder, Historiker und Politikexperte, Reinhard Merkel, renommierter Rechtswissenschaftler, und Susanne Schröter, emeritierte Professorin für Ethnologie und ehemalige Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam. Diese Expertinnen und Experten zeigen deutlich: Es geht nicht um politische Agitation, sondern um den Schutz eines Ortes der Forschung und des kritischen Denkens.
Die Schließung signalisiert, dass Forschung und Bildung zunehmend danach bewertet werden, welche politischen Überzeugungen sie transportieren, statt nach inhaltlicher Qualität. Pluralistische Gesellschaften leben vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven – gerade auch von konservativen. Mit der BdK verschwindet ein Ort, der Debatten ermöglicht, Wissen bewahrt und intellektuelle Substanz schafft. Die Unterzeichner des offenen Briefes warnen zu Recht: Wer Demokratie, Wissenschaft und Meinungsfreiheit ernst nimmt, darf diesen Eingriff nicht schweigend hinnehmen.
Sehr geehrte Frau Direktorin Stein,
Sie haben der in Berlin ansässigen Bibliothek des Konservatismus (BdK) ohne Angabe von Gründen die Mitgliedschaft im Gemeinsamen Bibliotheksverbund zum 31. Dezember 2025 gekündigt.
Die Bibliothek des Konservatismus ist eine Spezial- und Forschungsbibliothek, die das gesamte geistesgeschichtliche Spektrum des Konservatismus seit 1789 erschließt. Als solche ist sie seit 2008 Mitglied in Ihrem Bibliotheksverbund.
Sollte der Ausschluss der BdK aus dem GBV umgesetzt werden, würden die Bestände der BdK nicht mehr im Internet recherchierbar sein. Auch vor Ort, im Lesesaal der BdK, wäre keine Literaturrecherche mehr möglich, zumal die Bestände der Mitgliedsbibliotheken durch den GBV verwaltet werden. Die BdK würde ihre Sichtbarkeit verlieren.
Der GBV als Betrieb des Landes Niedersachsen wird damit seiner Aufgabe als öffentlich-rechtliche Institution nicht gerecht.
Wir, die Unterzeichner, sehen in der unbegründeten Kündigung einer langjährigen Mitgliedsbibliothek einen schwerwiegenden Eingriff in die Wissenschaftsinfrastruktur und mithin die Wissenschaftsfreiheit. Wir fordern Sie auf, die Kündigung unverzüglich zurückzunehmen.
Den offenen Brief an die Direktorin Regine Stein anlässlich des Ausschlusses der BdK finden Sie auch hier.
(SB)