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Wirtschaftsbosse fordern Streichung von drei Feiertage

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Weil der deutsche Büttel ja angeblich zu wenig arbeitet, fordern Wirtschaftsbosse: Weg mit Ostermontag, Pfingstmontag und zweitem Weihnachtsfeiertag.

Deutschland ächzt unter der längsten Rezession seit Jahrzehnten. Die Antwort der Industrie: Ostermontag, Pfingstmontag und der zweite Weihnachtsfeiertag müssen weg. Bertram Brossardt (vbw Bayern) spricht von „Luxus“, Nicola Leibinger-Kammüller (TRUMPF) nennt den Ostermontag entbehrlich, das ifo-Institut und das IW versprechen pro zusätzlichem Arbeitstag 0,2 Prozent mehr BIP – satte 8,6 Milliarden Euro. In den USA, China oder Polen werde schließlich auch länger gearbeitet, „ohne dass jemand danach ins Sanatorium muss“.

Die Rechnung klingt simpel, ist aber gefährlich naiv. Produktivität steigt nicht linear mit Stunden; OECD-Studien belegen seit Jahren das Gegenteil: Ab 40 Wochenstunden sinkt die Leistung pro Stunde, Burnout und Krankheitstage explodieren. Deutschland hat bereits jetzt europaweit die höchste Jahresarbeitszeit bei Vollzeitkräften – mehr Druck würde die ohnehin hohen Fehlzeiten nur weiter treiben. Echte Wachstumsbremsen heißen explodierende Strompreise, Genehmigungszeiten von bis zu 15 Jahren, marode Infrastruktur und Fachkräftemangel, nicht drei kirchliche Feiertage.

Kaum ist die Forderung raus, kommt die Frage, die niemand aus der Chefetage beantwortet: Wenn wir christliche Feiertage kürzen, weil sie angeblich nur noch eine Minderheit betreffen – warum bleiben dann die muslimischen außen vor? Zuckerfest und Opferfest sind bundesweit keine gesetzlichen Feiertage, aber in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen können muslimische Beschäftigte und Schüler bereits freigestellt werden, in Berlin und anderen Ländern laufen ähnliche Regelungen oder Pläne. Die Produktivitätslogik der Wirtschaftsbosse müsste hier genauso greifen – tut sie aber nicht. Von Brossardt, Leibinger-Kammüller oder Fuest kein Wort dazu. Die Kürzung soll offenbar ausschließlich christliche Traditionen treffen.

Das macht die Forderung doppelt unglaubwürdig: Sie ist wirtschaftlich fragwürdig, weil sie Symptome statt Ursachen bekämpft, und gesellschaftlich brisant, weil sie mit zweierlei Maß misst. Über siebzig Prozent der Bevölkerung lehnen jede Streichung ab. Wer jetzt Ostern und Weihnachten opfert, aber regionale muslimische Freistellungen schützt, sägt nicht nur am Sozialstaat, sondern an der letzten Akzeptanz für religiöse Vielfalt insgesamt. Am Ende verlieren alle: die Wirtschaft, weil die echten Probleme ungelöst bleiben, und die Gesellschaft, weil der Kitt bröckelt.

(SB)

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