Auch der bekannte Comedian Vince Ebert gehört nun zu denen, die die Verhältnisse in Deutschland als so unerträglich empfinden, dass sie die Segel streichen. Sein aktuelles Bühnenprogramm „Vince of Change“ werde sei letztes sein, teilte er mit. Danach werde er sich Ende 2026 endgültig von der Bühne zurückziehen. Zur Begründung erklärte er, die Stimmung in Deutschland als „immer bedrückender“ wahrzunehmen. Es sei „immer schwieriger, etwas Lustiges aus dieser Situation zu machen“. Er wolle „einfach nicht als zynischer Nörgler auf der Bühne enden“. Gegenüber „Bild“ wurde er noch konkreter: Das Gros der vernünftigen Menschen werde immer mehr zu Duckmäusern, klagte er. Nicht die ideologisierten Ränder seien das Problem, „sondern die vielen, vielen Menschen auf allen Ebenen, die sich anpassen“. Immer häufiger würden Leute -von Zeitungsredakteuren bis zu normalen Leuten- bei Theatern anrufen und sie auffordern, sich zu überlegen, „ob Sie diesen Vince Ebert noch auftreten lassen können“. Noch sei ihm das nicht passiert, aber es sei „immer knapp vorm Canceln“. Das liege aber „nicht an den Irren, die da anrufen“, sondern an denen, die auf sie reagierten.
Als aktuelles Beispiel nannte Ebert den Verband der Familienunternehmer, der auch AfD-Leute zu kritischen Diskussionen einladen wollte, nun aber „vor einem linken Mob einlenken“ würde. Er habe „keine Lust, als Ikone oder Märtyrer der Bürgerlichen zu enden, nur weil sich die Mehrheit nicht traut, den Mund aufzumachen“, und auch die Nase voll davon, wenn ihm nach der Show der Hundertste auf die Schulter klopfe oder der nächste Manager sage, er finde toll, was er sage, aber in seiner Position könne er das nicht sagen. „Die schieben einen vor und lassen keinen Zweifel: Wenn es hart auf hart kommt, man angegriffen wird, dann lassen die einen über die Klinge springen und tun nichts. Nein: Wenn ihr das so schlimm findet, wie ihr das behauptet, dann steht euren Mann und eure Frau, aber schiebt nicht mich oder andere vor!“, so Ebert weiter.
“Mentale Rezession“
Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stimmung in Deutschland sei am Ende. Die „mentale Rezession“ habe in den letzten paar Monaten voll durchgeschlagen – auch durch politische Entscheidungen. Die Leidensfähigkeit der Deutschen gehe „bis in den Abgrund“. Er habe das oft genug angemahnt und sehe die Aufgabe als erledigt. Jetzt sei er müde. Eberts deprimierende Bestandsaufnahme deutscher Zustände ist leider zutreffend. Keine der Ungeheuerlichkeiten, die in diesem Land mittlerweile an der Tagesordnung sind, wäre möglich, wenn die große Mehrheit der Menschen sie nicht passiv hinnehmen und sich vom politisch-medialen Kartell manipulieren lassen würde. Dazu passt, dass laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) 74 Prozent der befragten Deutschen ohne Migrationshintergrund der Aussage „Der Rechtsextremismus in Deutschland macht mir Angst“ zustimmen, während es bei Deutschen mit Migrationshintergrund 66 und bei in Deutschland lebenden Ausländern sogar nur 55 Prozent sind.
Zugleich fühlen sich aber lediglich 37 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund in Deutschland mit Respekt behandelt, 39 Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund und 52 Prozent der Nichtdeutschen, aber sehr wohl. Niemand hat also mehr Angst vor Rechtsextremismus und fühlt sich zugleich im eigenen Land weniger respektiert als autochthone Deutsche, während sich Deutsche mit Migrationshintergrund und Ausländer hierzulande wohler fühlen und weniger Angst vor dieser ohnehin nur imaginären Bedrohung haben. Dieser Befund bestätigt Eberts Diagnose über die schizophrenen Zustände in diesem Land. (TPL)























