Die Springer-Medien haben sich noch immer noch nicht genügend an dem Interview abgearbeitet, dass AfD-Chefin Alice Weidel vor einer Woche bei „Welt TV“ gab. „Welt“-Chefredakteur Jan Philipp Burgard hatte Weidel mehrfach und geradezu penetrant auf die Strafverfahren gegen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke angesprochen, der wegen der Parole „Alles für Deutschland“ wegen Volksverhetzung verurteilt worden war. Irgendwann entgegnete Weidel sichtlich genervt: „Alles für Deutschland? Na und? Alles für Deutschland!“ und warf Burgard vor, ihr die „Nazi-Parolen“ selbst in den Mund gelegt zu haben, da er es „erwartbar interessanter fand über „Alles für D“ und „Jugend wird durch Jugend geführt“ zu reden als über die Auswirkungen der Wirtschafts-, Finanz-, Energie- und Migrationskrise. Unser Land geht vor die Hunde nicht nur wegen Versagern wie Merz, Klingbeil & Co., sondern auch wegen des Vollversagens der Medien“, so Weidel.
Nachdem die Kollegen von „Bild“ Burgard bereits mit einem Kommentar zur Hilfe geeilt waren, in dem sie Weidel vorwarfen, „den rechtsradikalen Höcke-Anhang“ zu umarmen, „anstatt ein Parteiausschluss-Verfahren gegen die Schwurbler in den eigenen Reihen einzuleiten oder zumindest eine Entschuldigung von ihnen zu verlangen“, legten sie nun noch einmal nach und raunten, ob die AfD-Chefin womöglich „ein doppeltes Spiel mit den wichtigen Medien in Deutschland“ spiele – nach dem Motto „Hingehen, Sendezeit abgreifen, sich bedanken – sich aber hinterher beschweren und gar hetzen?“ Schon bei der Gründung der AfD-Jugend in Gießen habe Weidel einen Teil ihrer kurzen Rede „für pauschale Hetze gegen „die Medien (…), die sich da hinten versammelt haben“, verbraucht und ihnen vorgeworfen, das Klima im Land mitzuvergiften und jeden als „rechts“ abzustempeln, der nicht für offene Grenzen sei Am vergangenen Donnerstag sei dann der „Skandal-Auftritt“ bei „Welt-TV“ gefolgt, in dem sie nicht nur den Verfassungsschutz mit der DDR-Stasi gleichgesetzt, sondern nichts Schlimmes daran gefunden habe, dass bei der Gründung der AfD-Jugend die Parole der Hitlerjugend („Jugend muss durch Jugend geführt werden“) in einer Rede benutzt worden sei.
“Zwei Plattformen bedienen“
Nach dem Interview habe sie dann auch noch die oben erwähnte Kritik an Burgard geäußert. Dieser erklärte gegenüber „Bild“, er könne Weidels Vorwurf nicht nachvollziehen. Im Interview habe er sie „nach ihrer Haltung zu nationalsozialistischen Parolen gefragt, die in ihrer Partei nachweislich verwendet wurden“. Man habe das Interview ungeschnitten im TV gesendet und auch in voller Länge online gestellt, sodass sich jeder Zuschauer selbst ein Bild machen könne. Dann bot man auch noch den bei solchen Gelegenheiten obligatorischen „Medienexperten“ Jo Gröbel auf, der zum Besten gab, Weidel würde „offenkundig“ auf die gleiche „Doppelstrategie“ wie US-Präsident Donald Trump setzen. Dieser habe „die großen, hergebrachten journalistischen Portale und die rechtsaktivistischen Medien“ bedient. Auch Weidel müsse immer zwei Plattformen bedienen, „nur die Hardcore-Anhänger reichen nicht, sie muss ja dazugewinnen, Leute aus anderen Milieus abholen, salonfähig erscheinen“, so Gröbel. Teil dieser angeblichen Strategie sei, dass sie sich dann wieder davon absetze, „um nicht als Teil des sogenannten Mainstreams zu erscheinen“.
Was dabei nicht erwähnt wird, ist, dass AfD-Politiker bei Interviews immer mit vermeintlichen Nazi-Parolen und anderen Aussagen anderer AfD-Politiker konfrontiert, aber kaum zu konkreten politischen Sachthemen befragt werden. Es ist undenkbar, dass Burgart und andere etwa Linken-Chefin Heidi Reichinnek permanent das radikal-sozialistische Dauergefasel in der eigenen Partei unter die Nase reiben oder sie gar zu ihrer Meinung zu den Toten an der Berliner Mauer und dem DDR-Unrechtsregime befragen würden, obwohl die Linke direkte Rechtsnachfolgerin der SED ist. Auch Politiker der Grünen müssen sich keine kritischen Worte über die mehr als fragwürdige Haltung der Partei zu Pädophilie in früheren Jahren anhören. Sie dürfen sich ungestört zur Tagespolitik äußern, egal, was sie selbst oder andere in ihren Parteien an radikalem Unsinn zusammengeredet haben. Nur bei der AfD wird ein völlig anderer Maßstab angewandt. Das ist es, was Weidel zu Recht kritisierte und was man bei „Welt“ und „Bild“ nicht wahrhaben will. (TPL)























