Der Journalist Boris Reitschuster hat auf ein gravierendes Problem aufmerksam gemacht, mit dem viele freie Medien zu kämpfen haben. Die in Russland ansässige Website „Anonymousnews.org“ stiehlt massenhaft Texte von anderen Plattformen und gibt sie als eigene aus. Rechtliche Schritte sind völlig aussichtslos, weil es kein Impressum gibt und die Betreiber der Seite nicht greifbar sind. Neben dem Diebstahl von Texten führt „Anonymous“, so die Kurzbezeichnung (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen globalen Hackerkollektiv, wenngleich die Seite dieselbe Guy-Fawkes-Maske im Logo trägt, siehe oben) auch Rufmordkampagnen via Telegram, wie Reitschuster berichtet, der selbst zu deren Opfer wurde. Auf seinem eigenen Telegram-Kanal mit 223.900 Abonnenten, werden Besucher mit Lügenpropaganda überschüttet. So wird etwa mit vollem Ernst behauptet, Reitschuster sei ein britischer Agent. Zugleich werden jedoch weiterhin seine Texte und die seiner Autoren gestohlen, weiterverbreitet oder als eigene ausgegeben. „Sie rauben, was ihnen nützt – und verleumden den, den sie beklauen“, so Reitschuster.
Als Vorwand für seine angebliche Tätigkeit für den Geheimdienst Seiner Majestät, dient ein Treffen Reitschusters mit dem 2022 verstorbenen Russland-Experten und Professor Hannes Adomeit. Dieser hatte Reitschuster 2018 angesprochen, ob er Interesse habe, mit einer in London ansässigen „Integrity Initiative“ zusammenarbeiten, einem geplanten außenpolitischen Netzwerk aus Russland-Experten mit Nähe zu britischen Regierungsstellen. Aus dem Gespräch mit Adomeit sei jedoch nichts Konkretes entstanden, es habe keine weiteren Gespräche gegeben, keine Zusammenarbeit und es sei auch kein Geld geflossen.
Rufmordkampagne gegen Reitschuster aufgewärmt
Lediglich an einer Konferenz in einem Berliner Hotel habe Reitschuster noch teilgenommen, wobei er Adomeits Angebot, für 200 Euro Honorar einen Vortrag zu halten, abgelehnt habe. Was er nicht gewusst habe, sei, dass Adomeit seinem Kontakt in London offenbar regelmäßig und schriftlich über sämtliche Gesprächspartner berichtet habe – und das auch noch unverschlüsselt. Dieser Schriftverkehr sei offenbar vom russischen Geheimdienst gehackt und in gezielt aus dem Zusammenhang gerissener Form veröffentlicht worden, wobei man daraus eine vermeintliche „Geheimoperation“ westlicher Dienste gemacht habe.
Diese Geschichte wird nun wieder von „Anonymous“ hervorgekramt. „Wird Reitschuster vom britischen Geheimdienst bezahlt?“, raunt man ohne jeglichen Beleg und weiß, dass schon die Frage zumindest Zweifel an Reitschusters Unabhängigkeit sät, die durch ständige Wiederholung nur größer werden und auch „in der Gegenöffentlichkeit auf fruchtbaren Boden fallen“, so Reitschuster. Er bekräftigt, dass er niemals für einen Geheimdienst gearbeitet und nie einen Cent von irgendeiner Initiative aus London erhalten habe. „Einschüchterung durch Diffamierung“ und die Hoffnung, dass der andere einknicke, wütend werde, die Nerven verliere – oder einfach irgendwann aufgebe, sei das Ziel solcher Kampagnen. Auch „Ansage!“ und „Jouwatch“ können ein Lied von den kriminellen Praktiken von „Anonymous“ singen, denn dort erschienen ebenfalls schon geklaute und unautorisierte Artikel beider Seiten. Dieser Blog ist nichts als eine perfide Propagandaschleuder, die jeder, der an echtem Journalismus interessiert ist, unbedingt meiden sollte. (JS)























