Eigentlich wäre Objektivität und Äquidistanz zu den Bundestagsparteien ein Teil des öffentlich-rechtlichen Sendeauftrags. Doch bei ARD, ZDF & Co. pfeift man darauf, wie eine neue Übersicht über die Einladungen in Talkshow-, Podcast- & Interview-Formaten zeigt. Denn obwohl die AfD zweitstärkste Fraktion im Parlament stellt und inzwischen in Umfragen führt, findet sie im Staatsfunk nahezu nicht statt.
Die Brandmauer als polit-mediale Daseinsberechtigung: Man spricht lieber in der Echokammer des Systems über die Opposition statt sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Dies ist keine neue Erkenntnis, sondern gelebte Realität in Deutschland. Doch nun veröffentlichte der kritische „ÖRR Blog“ eine Erhebung, die aufzeigt, wie ausgepragt das Missverhältnis zwischen politischer Stärke und Repräsentation in den öffentlich-rechtlichen Sprechformaten aller Art ist. Demnach durfte die AfD dort – trotz 24,1% der Sitze in Bundestag – lediglich 1,47% der Gäste stellen und ist damit deutliches Schlusslicht unter allen Parteien.
Sogar die politische Leiche FDP und das BSW sind häufiger zu Gast als Deutschlands größte Partei
Oder in nackten Zahlen: lediglich 16 von 1092 Parteivertretern gehörten der wichtigsten Oppositionspartei an. Die „Linke“ bewegt sich mit 8,79% nur knapp unter ihrem Mandatsanteil. Neben der Koalition aus SPD & Union (27,56% & 46,06% bei 19 bzw. 33% der Mandate) sind auch die Grünen besonders deutlich überrepräsentiert (16,06%).
Schon einige Stunden zuvor hatte dasselbe Portal eine Auflistung in absoluten Zahlen herausgebracht, die sich lediglich auf Auftritte in den fünf wichtigsten TV-Talkformaten in ARD & ZDF konzentierte („Hart aber Fair“, Maybrit Illner, Markus Lanz, Sandra Maischberger, Caren Miosga). Auch dort zeigte sich ein ähnliches Bild, das allerdings noch durch ein weiteres Detail verschärft wird. Denn AfD-Vertreter waren dort sogar seltener bzw. gleich oft eingeladen wie Politiker von FDP & BSW, die den Wiedereinzug in den Bundestag verfehlten.
Ähnliches Bild in Österreich
Damit zeigt sich auch schwarz auf weiß: Man schneidet systematisch die größte Oppositionspartei im Staatsfunk, weil sie Dinge sagen könnte, die dem System nicht in den Kram passe. In Deutschland ist das sprichwörtlich sogar für blinde sichtbar – aber auch in Österreich bedient man sich ähnlicher Taktiken, wenn auch in geringerem Ausmaß. Vor 2 Jahren stellte sich heraus, dass auch dort die FPÖ in der ZiB1 um 19:30 Uhr trotz Führung in allen Umfragen die geringste O-Ton-Redezeit aller Parlamentsfraktionen erhielt.
Besonders ausgeprägt war die Diskrepanz bei den Spitzen: Selbst in der Addition aus ZiB1 & ZiB2 gestand man Kickl binnen eines Jahres nur 756 Sekunden an O-Ton-Zeit zu. Bei allen anderen vier Parteichefs war der Wert mit 3.221 bis 5.140 Sekunden zwischen 4- und fast 7-mal so hoch. Nachdem die blanken Zahlen nicht mehr zu leugnen waren, wollten Mainstream-Journalisten der FPÖ dafür den Schwarzen Peter selbst zuschieben. Deren Sieg bei der folgenden Nationalratswahl konnte das freilich nicht verhindern. (red)
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Dieser Betrag erschien zuerst auf „Der Status„.























