Der Fotograf Hagen Schnauß hat einen erschütternden Einblick in die neue deutsche Praxis der Hausdurchsuchungen gegeben, zu deren Opfer er am 6. November in München wurde. Nicht weniger als 12 (!) Polizisten und eine Staatsanwältin drangen in seine Wohnung ein. Der Grund dafür war, dass er Fotos im AfD-Umfeld gemacht hatte! Deshalb hatte Schnauß bereits mit einem solchen Besuch gerechnet und ihn gedanklich durchgespielt. Die Vorzeichen dazu seien „ein seit Jahren sich auflösender Rechtsstaat, der eine immer stärker werdende Opposition mit immer unappetitlicheren Repressalien überzieht“, so Schnauß.
Kurz nach zehn Uhr an besagtem Tag wurden seine Befürchtungen dann wahr. Eine Kommissarin habe mit einem Papier herumgewedelt und ihn als Zeugen benannt, den es zu durchsuchen gelte. Denn zwei Jahre zuvor hatte Schnauß „im blauen Milieu Augsburgs“ eine Hochzeit fotografiert. Der Auftrag sei ihm über Dritte vergütet worden, was unter diesen Umständen durchaus der Regel entspreche, aber für eine Hausdurchsuchung reiche.

Die gesamt Wohnung wurde durchkämmt. Drei Polizisten hätten sich auf Schnauß` offenen Rechner gestürzt, ihn gespiegelt und seine handschriftlich notierten Passwörter abfotografiert, die sie in einem Aktenordner gefunden hätten. Bücher seien durchgeblättert und Kleiderschränke durchwühlt worden. Mit der Zeugenaufnahme einer angeblich aus inkonsistenten Quellen bezahlten Hochzeit habe das alles wenig zu tun gehabt. Hier habe „eine offensichtliche Erniedrigung und vorsätzliche Einschüchterung“ stattgefunden. Es rieche nach „reiner Willkür und einem Ausgeliefertsein“, das er niemandem wünsche. Die späte BRD missbrauche die Kriminalpolizei für politische Zwecke. Die Polizei werde dabei selbst zum Opfer. Er habe bemerkt, „wie peinlich es einigen Polizisten ist, eine derartige Farce von Polizei-Arbeit zu verrichten“, so Schnauß.
Sichtbares Unbehagen der beteiligten Polizisten
Als er sich später an seiner Bar mit einem Whisky gestärkt habe, habe der Polizist, dem die Aufgabe oblegen habe, ihn zu bewachen geschmunzelt und gesagt: „Das wird Ihnen jetzt gut tun“. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz, der im Oktober ebenfalls zum Opfer dieses Missbrauchs der Polizei für völlig lächerliche Einsätze wurde, hatte Ähnliches über das sichtbare Unbehagen der Polizisten berichtet, die daran beteiligt waren. Das Ergebnis von Schnauß` Hausdurchsuchung sei dann die Beschlagnahmung eines menschlichen Schädels gewesen, der ihm seit dreißig Jahren zu Stilleben gedient habe, nebst einem präparierten Dachsschädel, einem Hirschfänger, einem antiken Schlagstock aus Familienbesitz und einer defekte Luftpistole! Auch der schriftliche Kalender des „Tatjahres“ besagter Hochzeit und eine externe Festplatte mit den Speicherungen der Hochzeitsbilder seien „sichergestellt“ worden. Hätte er letztere nicht benannt, wären alle Festplatten und sein Rechner beschlagnahmt worden, womit er für Wochen oder Monate arbeitsunfähig geworden wäre. Nach etwa drei Stunden Schnüffelei seien die 13 dann abgezogen.
Auf eine Hausdurchsuchung könne man zweierlei reagieren, so Schnauß. Entweder erliege man der Einschüchterung, schrecke vor Uniformen zurück, die die Obrigkeit symbolisieren, gerate in eine mentale Defensive und befürchte soziale Ächtung. Dann habe der Staat sein Ziel erreicht. Oder man fasse sich, überwinde den Schrecken und gehe am Ende gestärkt daraus hervor, indem man jeden Respekt vor der heutigen Staatsmacht verliere. Dies dürfte bei den meisten Menschen auch ohne Hausdurchsuchung längst der Fall sein. Dieser Staat löst keinen Respekt mehr aus, sondern herrscht nur noch mit Angst und Schikanen. Er will jeden einschüchtern, der es wagt, gegen seine katastrophale und idiotische Politik aufzubegehren. Und die Justiz macht sich wieder einmal bereitwillig zum Büttel dieser Vergewaltigung des Rechtstaates. (TPL)























