Der „Tagesschau“-Aussteiger Alexander Teske hat wieder einmal auf die ungeheuerlichen Zustände im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hingewiesen, diesmal auf die Selbstverständlichkeit, mit der Journalisten von ARD und ZDF auf Regierungsposten und wieder zurück wechseln und völlig bedenkenlos und ungestraft üppige Nebenverdienste einstreichen. Dieser „Drehtüreffekt“ ist seit langem ein großes Ärgernis, das die mangelnde bis gar nicht mehr vorhandene Abgrenzung und Distanzwahrung von Journalismus und Politik beim ÖRR besonders sinnfällig illustriert. Ex-“Tagesthemen”-Sprecherin Aline Abboud etwa wechselte ins SPD-geführte Bundesentwicklungsministerium, die vorherige ARD-Hauptstadtkorrespondentin Sarah Frühauf wurde Sprecherin von Innenminister Alexander Dobrindt und Leiterin des Pressereferats des Ministeriums. Beide posierten in herzlicher Eintracht für ein gemeinsames Foto und versahen es mit dem Kommentar: „Früher gemeinsame TV-Schalten. Jetzt gemeinsame Regierungspressekonferenzen“ – offensichtlich ohne an dieser Selbstentlarvung irgendetwas Anstößiges zu finden oder die Außenwirkung solcher fliegender Wechseln zu reflektieren, die in der Tat seit vielen Jahren gang und gäbe sind. Ihre Plätze bei ARD und ZDF werden ihnen in aller Regel freigehalten, sodass sie nach dem Ende ihres Ausflugs in die Politik problemlos zurückkehren können als sei nichts gewesen.
Aber auch ÖRR-Journalisten, die nicht zu Regierungssprechern werden, sind oft für die Regierung tätig. So arbeitet etwa Nadia Kailouli nicht nur für ARD-Formate wie „Panorama“, „STRG_F“ und das „Mittagsmagazin“, sondern moderierte auch den Bürgerdialog zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung mit dem damaligen Kanzler Olaf Scholz. Dies tat ihrer Karriere jedoch keinerlei Abbruch. Sie wurde Moderatorin des ARD-Magazins „Report aus Mainz“, moderiert parallel aber auch den Podcast „Einbiszwei“, der im Bundesfamilienministerium angesiedelten Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. Mit 608.000 Euro Steuergeld schlugen die bisherigen 70 Folgen zu Buche.
Interessenkonflikt? Welcher Interessenkonflikt?
Wie viel Geld Kailouli erhielt, will das Ministerium nicht mitteilen. Vor einem Jahr moderierte sie einen Abend im Babylon in Berlin, zu dem die damalige Bundesfamilienministerin Lisa Paus eingeladen hatte. Einen Interessenkonflikt sah der SWR, der Report aus Mainz“ produziert, nicht, da die Missbrauchsbeauftragte vom Ministerium „unabhängig“ und „nicht weisungsgebunden“ sei. Überdies würden Kailouli „keine Fragen vorgegeben“ und sie könne „Themen kontrovers debattieren“. Damit nicht genug, wurde sie 2022 auch noch zur Professorin der Hochschule für Fernsehen berufen – obwohl sie weder ein abgeschlossenes Studium vorweisen kann noch auch nur über ein Abitur verfügt. Ihr dortiges Gehalt liegt zwischen 35.000 und 55.000 Euro im Jahr. Die Hochschule will hier ebenfalls keinen Interessenkonflikt erkennen. Lieber verweist man darauf, dass Kailouli mit dem Grimme- und dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet worden sei – als ob dies noch irgendetwas bedeuten würde und die Preise nicht längst zu ihrer eigenen Karikatur geworden wären, da sie nur noch für links-aktivistischen Pseudojournalismus vergeben werden.
Kailouli ist aber natürlich kein Einzelfall. Gerade während Corona waren regierungsgenehme Wissenschafts-„Experten“ bei ARD und ZDF wohlgelitten – und umgekehrt durften sich ÖRR-Redakteure an der staatlichen Desinformation beteiligen. Zwischen 2018 und 2022 wurden für Veranstaltungen der Regierung 875.000 Euro Honorar an ÖRR-Journalisten gezahlt. Judith Rakers verlas abends in der “Tagesschau” die Meldung über die Verleihung des “Deutschen Umweltpreises”, die sie selbst mittags moderiert hatte. Dies zeigt wieder einmal den alles überlagernden Filz aus Politik, staatstreuen Medien und anderen Angehörigen dieser Kaste, die in einem inzestuösen Verhältnis zueinander lebt, eigentlich selbstverständliche Gepflogenheiten in einem demokratischen Staat mit Füßen tritt und sich ihr Lotterleben vom Steuerzahler finanzieren lässt, der als Gegenleistung bevormundet, beleidigt und belogen wird. (TPL)























