Einfache und gute Gerichte – auch zu Weihnachten gefragt (Symbolbild:Grok)
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Man nehme, so man hat: Wie man mit 2 Euro sieben Menschen satt bekommt

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Im Jahr 2026, so berichtet es die Presse mit sorgenvoller Miene, soll das verfügbare Einkommen kräftig sinken. Wir müssen sparen, heißt es. Sparen, damit genügend Geld übrig bleibt, um es in alle Welt zu versenden. Die Regierung hat ja recht, immer. Und wenn sie recht hat, dann müssen wir eben lernen, wieder mit wenig auszukommen. Wir stellen einfaach die Tageszeitung ab und sparen 450 Euro. Aber Sparen muss nicht Verzicht bedeuten. Wir werden auch weiterhin satt, aber anders. Es wird nur ein Verzicht an Bequemlichkeit. Wer sparen will, muss wieder arbeiten, und zwar am Herd.

Ich bin Jahrgang 1954 und wurde die ersten 19 Jahre meines Lebens fast ganz vegetarisch ernährt. Damals wusste niemand, was vegetarisch überhaupt bedeuten soll. Fleisch gab es nur sonntags. Der Rest der Woche bestand aus hunderterlei Mehlspeisen. Wenn wir heute in einem Restaurant auf die Speisekarte blicken, finden wir mit Glück vielleicht noch Kaiserschmarrn, oft zu Preisen, bei denen früher ein ganzer Haushalt satt wurde.

Doch nun zu einem Rezept, das fast nichts kostet, aber vollen Einsatz verlangt. Es hat bei uns zu Hause sieben Menschen am Tisch ernährt. Eltern, drei Buben, Oma und eine Tante, die aus Schlesien vertrieben wurde.

Schwäbische Kartoffelwürste, so geht’s:

Der Begriff „Wurst“ hat hier nichts mit Schwein oder Rind zu tun. Er beschreibt lediglich die Form. Ein gar köstliches Gericht, im schwimmenden Fett goldbraun gebacken.

Die Herstellung ist einfach, aber sie macht Arbeit. Und weil wir 2026 kein Geld mehr haben für teure Freizeitvergnügen, haben wir viel Zeit, um zu kochen. Und es macht ja auch Spaß. Und jede Minute weniger vor der Fernsehwerbung verführt uns nicht zum Kauf von Unnützem, das ohnehin nur dick macht, selbst wenn es auf Milch schwimmt.

Man nehme ein Kilogramm mehlige Kartoffeln

Man koche sie, solange es noch Strom und Gas gibt. Heiß werden sie geschält, unter leichten Fingerverbrennungen, wie es sich gehört. Ohne diesen Aufwand wird es nichts. Dann drückt man sie durch eine Kartoffelpresse. Was unten herauskommt, sieht aus wie dünne Spaghetti, nur eben aus Kartoffeln.

Während die Kartoffeln noch kochen, nimmt man ein Kilogramm Weizenmehl, etwa einen Viertelliter lauwarme Milch, einen ganzen Würfel Hefe, zwei Eier und vier Esslöffel Zucker. Daraus macht man die Grundlage für den Teig. Dann kommen die warmen, durchgepressten Kartoffelspaghetti dazu. Alles wird zu einem weichen, geschmeidigen Teig geknetet. Da muss man schon ordentlich hinlangen. Mit dem Mixer wird das nichts. Auch nicht wenn Thermo draufsteht.

Diesen Teig lässt man eine halbe Stunde ruhen. Und siehe da, er verdoppelt sich auf wundersame Weise. Hefe heißt die leise Magie.

Nun wird der Küchentisch bemehlt, der Teig darauf verteilt und in kleine Würstchen geteilt. Diese werden mit beiden Händen vorsichtig gerollt, aber dabei nicht fest gedrückt. Idealerweise werden sie daumengroß. Vierzig oder fünfzig Stück. Diese Würstchen deckt man mit einem Tuch zu und lässt sie erneut eine halbe Stunde gut zugedeckt ruhen. Das Radio lässt man am besten aus, sie sollen sich ja nicht erschrecken. Dann gehen Sie wieder auf, verdoppeln ihre Größe, so wie gute Parteien es auch tun.

Jetzt ins schwimmende Fett.

Früher nahm man Schweineschmalz (Achtung: nicht vegetarisch), heute kann es Pflanzenöl sein. In dieses heiße Fett gibt man vorsichtig die Kartoffelwürstchen. Nach drei bis vier Minuten sind sie goldbraun und auf das Dreifache ihrer ursprünglichen Größe angewachsen.

Auf dem Tisch steht dann eine große Schüssel, randvoll mit Kartoffelwürsten. Dazu gibt es heißes Sauerkraut oder Apfelmus, wenn das die Kinder lieber mögen. Auch kalt schmecken sie am nächsten Tag noch gut. Lassen sich gut mit aufs Feld nehmen oder in den Bundestag.

Rechnet man das Im Haushaltsauschuss heute nüchtern durch, landet man bei etwa 2 Euro, wenn man beim Discounter einkauft:

Kartoffeln – rund 1 Euro pro Kilo.
Mehl – etwa 45 Cent.
Hefe – unter 20 Cent.
Zwei Eier – etwa 40 Cent.
Milch und Zucker – ein paar Cent.

Sieben Menschen werden satt. Vegetarisch. Ehrlich. Ohne Pulver, ohne Fertigtüte. Kartoffelpüree aus der Tüte ist dagegen ein Luxusprodukt für Faule. Es kostet ein Vielfaches dessen, was Kartoffeln kosten. Nur merkt man es nicht, weil es so bequem ist.

Wenn das Jahr 2026 wirklich so kommt, wie es angekündigt wird, dann ist Großmutters Kochbuch die stärkste Opposition, die dieses Land noch hat. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Notwendigkeit. Wir müssen uns einfach den Luxus der Bequemlichkeit abgewöhnen, den wir heute gedankenlos kaufen. Sparen ist kein Almosen, sondern ein anderer Weg zum vollen Bauch, durch eigene Arbeit. Das hätte auch noch zusätzlich eine Vorbildfunktion.

Eine denkbare Gefahr gegen diese Kochkunst könnte nur von links kommen, weil das traditionell Gute nur von rechts kommen kann.

Guten Appetit!

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