Weihnachten ist die Zahl der Einkehr, Besinnung und nächsten Diebe – doch auch das Los unserer Vierbeiner und gefiederten freunde sollte uns zu dieser Jahreszeit nicht unbekümmert lassen. Nicht nur Menschen sind an diesen Tagen oft verlassen und einsam, auch Tiere, die in Heimen ihr Dasein fristen. Der Tierschutz ist weiterhin ein großes Thema in diesem Land, wenn es auch oft vergessen und verdrängt wird. Die Politik adressiert die damit einhergehenden Probleme eher halbherzig. So hat sich diese Woche Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zwar in einem Interview mit der “Rheinischen Post” mit einigen konkreten Verbesserungsmaßnahmen und Vorstößen geäußert, doch dies reicht bei weitem nicht. Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, wies darauf hin, dass die Probleme, Nöte und Herausforderungen im Tierschutz seit Jahren offensichtlich und aktenkundig seien, doch Rainers Ankündigungen würden diesen kaum gerecht.
„Möglicherweise hat der Bundesminister noch nicht alle relevanten Unterlagen gesichtet… sein aktuelles Interview lässt bislang lediglich erste Ansätze einer Tierschutzpolitik erkennen – eine konsequente Umsetzung bleibt jedoch aus”, so Schröder. Was Rainer in Aussicht stellte, ist im Wesentlichen nur das, was im Koalitionsvertrag steht. Doch das reicht nicht. Die angekündigte Videoüberwachung auf Schlachthöfen etwa nimmt etwa kleinere Schlachthöfe, wo oft am meisten Schindluder unter dem Radar der Öffentlichkeit betrieben wird, aus. Dabei sei klar, so der Tierschutzbund, dass der Tod bedeutet für jedes Tier Leid, unabhängig davon, ob die Schlachtung in einem kleinen oder großen Betrieb erfolgt. Der Weg in den Tod dürfe nicht mit zusätzlichem Leid verbunden sein.
Kunstrasen wichtiger als das Leben von Hunden und Katzen?
„Konsequenter Tierschutz wäre eine Überwachung auf allen Schlachthöfen”, postuliert Schröder. Zudem sei die Videoüberwachung allein nur die halbe Miete. Entscheidend sind auch Betäubungs- und Schlachtmethoden: Solange Tiere für den menschlichen Konsum sterben müssen, sollten Schlachter die Tiere schneller, sicherer und schmerzfreier betäuben können. Dafür braucht es verbesserte und schonendere Verfahren, die der Gesetzgeber verbindlich vorschreibt.
Beim Thema Tierheimen ist das Gebaren der Politik noch kritikwürdiger: Hier lehnt der Minister eine finanzielle Förderung durch den Bund ab und verweist auf das “föderale Prinzip”. Schröder: „Abgesehen davon, dass er damit vertragsbrüchig handelt – denn im Koalitionsvertrag sind Investitionshilfen für Tierheime ausdrücklich versprochen –, misst er hier mit zweierlei Maß. So finanziert der Bund gleichzeitig Sportstätten mit einer Milliarde Euro, obwohl auch dies eine kommunale Aufgabe ist. Kunstrasen scheint der Bundesregierung und dem Bundesminister wichtiger zu sein als das Leben von Hunden und Katzen.” Es gebe ein Staatsziel Tierschutz, dem der Bundesminister verpflichtet ist. Ein Staatsziel Sport hingegen existiert nicht. Auch beim Thema illegaler Welpenhandel passiere zu wenig; diesen beschreibt der Bundesminister zwar zutreffend als „dramatisch“, hat aber bietet bislang keine konkrete Lösung parat. Schröder kommentiert: „Herr Bundesminister, da geht mehr – viel mehr!“ (red.)























