Regierungstipp zum Schlankwerken 2026: Gürtel enger schnallen!
Wir kennen das, sagen wir mal, ich kenne das: Der Gürtel soll bequem sein, aber auch seinen Zweck erfüllen. Dort, wo er oberhalb der Hüften Halt hätte, findet er diesen Haltepunkt seit Jahren nicht mehr. Man zieht ihn kräftiger zu, sagen wir enger, so dass er die Rundlichkeit des vorderen Teils des Mittelbaus eindrückt und auf diese Weise den notwendigen Halt gewinnt. Das kann Unbehagen und ein Kratzen am Kopf auslösen, und genau das bezweckt die beste Regierung, die wir je hatten.
Den Gürtel enger schnallen
Dies verursacht ein Drücken, Zwicken und Bauchgrummeln, das dem gemeinen Volk gehörig am Wohlbefinden nagt. Abhilfe schüfen Hosenträger, breite, damit diese an den Schultern nicht einschneiden. Doch Hosenträger sind aus der Mode und nur noch im Sanitätshaus auf Rezept zu ergattern. Grund: Die Fülle des Leibes gilt schon lange nicht mehr als Nachweis von bürgerlichem Wohlstand. Der Ratschlag „Ihr sollt das Leben in Fülle haben“ (Johannes 10,10) wird nicht mehr beherzigt. Und dieser Wohlstand ist ja zudem auch noch unsozial, wirkt er doch geradezu als Affront bei denen, die ausgemergelt aus aller Welt zu uns strömen.
Was also tun: Den Gürtel enger schnallen führt zu körperlichem Unwohlbefinden, weshalb nur eine Lösung in Betracht kommt: Abnehmen. Dieses Unterfangen wird regierungsseitig gezielt gefördert, ganze Krisenstäbe arbeiten daran, um dem Volk pädagogisch geschickt die bisherige Luxusernährung vom Discounter zu vergällen.
Abnehmen durch Steuern
Zum einen tragen höhere Steuern zu weniger Einkommen bei, hinzu kommen höhere Krankenkassenbeiträge ab 2026, um noch weniger in der Nettotasche zu haben. Weshalb sich automatisch Meister Schmalhans auf dem Küchentisch breit machen kann. Die beste Regierung, die wir je hatten, steuert mit Steuern unsere Gürtellänge auf ein sozialverträgliches Maß herunter.
Ein Blick über den Gartenzaun
In diesen Ländern wird „Gürtel enger schnallen“ im Volksmund wie folgt beschrieben:
Frankreich: Dort spricht man vom „régime du serrage de ceinture“, der Gürtel-Straffungs-Diät. Es ist eine Methode, um die haute cuisine (die hohe Kochkunst) durch haute dépense, also hohe Ausgaben, zu ersetzen, was zur Folge hat, dass in den Töpfen nur noch ein Nichts mit weniger Zutaten köchelt.
Italien: Die stolzen Südländer nennen es die Dieta Austerità, die Sparsamkeits-Diät. Sie führt dazu, dass die sonst so üppige Pasta Povera (Nudeln für Arme) nur noch aus dem leeren Topf und dem aromatischen Dampf besteht.
USA: Dort spricht man pragmatisch vom Waistline-Tax-Plan (Taillensteuer-Regelung). Der Gürtel wird nicht enger geschnallt, er verschwindet einfach, mangels Masse im Geldbeutel. Man ersetzt das Steak durch den American Dream, der bekanntermaßen kalorienfrei ist.
Die deutsche Methode wirkt schneller
Die zwangsweise Entschlackung durch eine Steuer-Turbo-Entschlankung ist somit keineswegs neu, aber in ihrer pädagogischen Konsequenz unerreicht. Ziel ist der schlanke Bürger, zäh wie Leder, der leichtfüßig und ohne überflüssige Wohlstandskilos in die Zukunft schreitet. Und der diese Abmagerung auch noch selbst bezahlt. Dabei wird jedoch die längere Lebenserwartung ausgeblendet, welche die Rentenkasse schädigt. Doch dies wird durch andere Verluste ausgeglichen, wie im nächsten Absatz angedeutet.
Kriegstüchtigkeit per Diät
Die beste Regierung, die wir je hatten, denkt eben nicht nur an die Gürtellänge, sondern in strategischen Dimensionen. Was künftige Soldaten und damit die Armee massiv in ihrer Siegesgewissheit einschränkt, sind die kiloweisen Belastungen, die zusätzlich zum schweren Rucksack und Maschinengewehr mit sich herumgetragen werden. Die tägliche Marschleistung von 30 Kilometern sinkt auf zwei Kilometer, weshalb auf der geplanten Route, dorthin, wo die Sonne im Osten aufgeht, tausende Parkbänke aufgestellt werden müssen, um die medizinisch vorgeschriebenen Ruhepausen bei Bluthochdruck einzuhalten. Ganz zu schweigen von den Panzereinstiegsluken, deren Durchmesser noch aus einer Zeit mit viel Kruppstahl stammen.
Die beste Regierung von allen denkt also weiter, was wir Friedensverwöhnten uns gar nicht vorstellen konnten.
Auf ein gutes Neues Jahr!