Juli Zeh erteilt dem politischen Establishment Nachhilfestunden in Demokratie

In einem Interview ausgerechnet mit der „taz“ äußert sich die Schriftstellerin Juli Zeh differenziert über ihre Nachbarn in Brandenburg – denn viele von ihnen wählen AfD. Sie widerspricht darin der verbreiteten Darstellung, AfD-Wähler seien „pauschal extremistisch oder verfassungsfeindlich“. Die meisten seien schlicht unzufrieden mit den etablierten Parteien und fühlten sich von Politik und Medien nicht mehr vertreten. Zeh beschreibt ein tiefes Misstrauen gegenüber den Eliten – nicht nur im Osten, sondern zunehmend auch darüber hinaus. Die politische Spaltung werde durch Ausgrenzung eher verschärft als überwunden.

Eigentlich sind dies natürlich triviale Befunde, doch im hysterischen Ausgrenzungsklima von Brandmauer-Deutschland hat eine solche Zurechtrücken der Verhältnisse bereits Nachrichtenwert.  Der Landesvorsitzende der AfD-Brandenburg, René Springer, würdigte Zehs Aussagen als „erstaunlich realistisch“.

Demokratische Ideale existieren nur noch auf dem Papier

Das Vertrauen der Bürger in Politik und Eliten – egal ob gewählt oder selbsternannt – schwinde rapide; das demokratische Ideal lebe jedoch nur noch auf dem Papier, in der Realität herrscht das Machtkartell der Altparteien – abgeschottet und selbstgerecht. Während auf dem Land Existenzen wegbrechen, empören sich die großstädtischen Eliten lieber über den wachsenden Veränderungswillen bei den Wählern.

Springer weiter: „Reformen? Fehlanzeige. Die Altparteien setzen auf Brandmauer statt Kompromiss und auf Wählerdiffamierung statt Dialog. Doch die Bürger im Land spüren längst: So geht es nicht weiter. Die AfD ist Teil der Lösung – ob es den Meinungsmachern passt oder nicht. Wer das dauerhaft leugnet, gefährdet nicht die AfD, sondern die Demokratie selbst. Frau Zeh hat dem politischen Establishment – und auch ihren eigenen SPD-Parteigenossen – eine Lehrstunde in Demokratie erteilt.“ (TPL)