Nicht einmal zum Jahresende gönnt das deutsche mediale Panikorchester den Menschen ein paar ruhige Tage. Als ob es nicht genügend reale schlechte Nachrichten gäbe, holt „Focus“, das sich auf diesem Gebiet immer besonders gerne hervortut, noch einmal die Pandemieangst aus der Mottenkiste und warnt vor einer imaginären Gefahr. Diesmal sind es Adenonviren, an denen derzeit „Tausende“ erkranken würden – allerdings in Großbritannien, wo die Viren sich seit Wochen „massiv“ und parallel zur saisonalen Grippe ausbreiten würden. Das „Tückische“ und „Gemeine“ an ihnen sei, dass sie anders als gewöhnliche Erkältungserreger seien. Sie griffen nämlich nicht nur die Atemwege an, sondern gleichzeitig noch mehrere Organe, wie die Augen, den Magen-Darm-Trakt und sogar die Blase. Deshalb würden Infektionen mit Adenoviren oft länger andauern und sich „heftiger“ anfühlen als eine normale Erkältung.
Neben Husten, Halsschmerzen, Fieber und bleierner Müdigkeit, kämen bei Betroffenen noch andere Beschwerden hinzu. „Die Augen brennen und tränen, der Magen rebelliert, Durchfall und Erbrechen machen das Leben zur Qual“, so der „Focus“-Autor. Während eine normale Erkältung nach ein paar Tagen vorbei sei, könnten die Symptome bei Adenoviren bis zu zwei Wochen anhalten. Besonders hart treffe es kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere und alle mit geschwächtem Immunsystem – also die Gruppen, die grundsätzlich besonders anfällig für Infektionen sind.
Herbeifabulierte Virenbedrohung wegen jahrestypischer Allerweltserkältungen
Damit nicht genug, seien die Adenoviren auch noch extrem hartnäckig. Auf Oberflächen würden sie mehrere Wochen überleben. Man stecke sich über Husten und Niesen, schmutzige Hände oder kontaminierte Gegenstände an, manchmal auch über verkeimtes Wasser in Schwimmbädern. Eine Impfung oder spezielle Medikamente gegen Adenoviren gebe es nicht. Ärzte würden nur die Symptome behandeln, was „Bettruhe, viel trinken, bei Bedarf Schmerz- oder Fiebermittel“ bedeute.
Dass die Viren in Deutschland nur eine völlig marginale Rolle spielen und es hierzulande nicht die geringste Gefahr eines größeren Ausbruchs gibt, wird dann beiläufig erwähnt. Hauptsache, man hat wieder einmal irgendeine gefährliche Viren-Bedrohung herbeifabuliert. Am Ende folgen dann die sattsam bekannten Banalitäten wie „Hände gründlich waschen, Abstand halten, Menschenmassen meiden“. Der Artikel ist absolut überflüssig. Viren, die seit den 1950er-Jahren bekannt sind, grassieren derzeit in Großbritannien. Sie sind nicht tödlich, sondern nur etwas strapaziöser als eine normale Erkältung. Das ist alles. Trotzdem wird von „tückischen“ und „gemeinen“ Folgen einer Infektion gewarnt, die in Deutschland zwar so wahrscheinlich ist wie ein Lottogewinn, für deren Verbeugung man aber dennoch empfiehlt, am besten zu Hause zu bleiben und häufig die Hände zu waschen. Es ist nicht nur lächerlich, sondern geradezu niederträchtig, ständig solche völlig unbegründeten Ängste zu schüren. Eine einmal in Corona-Panik versetzte Bevölkerung soll nie mehr zur Ruhe kommen und nie vergessen, dass die nächste „Pandemie“ jederzeit kommen kann. Das ist der ganze Hintergrund solch alberner Texte. (TPL)























