Was sich rund um das Bundesliga-Spitzenspiels zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München abgespielt hat, ist kein organisatorisches Missgeschick, sondern ein politischer Affront – und ein alarmierendes Beispiel dafür, wie weit ideologische Ausgrenzung inzwischen selbst im Profifußball reicht. RB Leipzig entzog dem AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla kurz vor dem Spiel zwölf bereits zugesagte Eintrittskarten.
Die Tickets waren zuvor offiziell reserviert worden. Wie das Magazin NIUS weiter berichtet, plante Chrupalla, das Spiel gemeinsam mit Begleitpersonen in der Red-Bull-Arena zu besuchen. Dann folgte die abrupte Kehrtwende: Der Verein erklärte die Zusage kurzerhand für hinfällig und zog die Karten zurück. Als Begründung wurde eine angebliche „Überbuchung“ angeführt – eine Erklärung, die angesichts der Umstände wenig glaubwürdig erscheint. Es handelte sich nicht um zufällige Karten, sondern um eine gezielte Stornierung, die ausgerechnet einen prominenten Vertreter der einzigen Oppositionspartei dieses kaputten Landes traf. Der Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer (CDU), soll am Samstag nach Informationen von NIUS unterdessen im Stadion erwartet werden.
Damit überschritt RB Leipzig eine klare Grenze. Ein Bundesligaverein nutzt seine Position, um politische Selektion vorzunehmen und signalisiert, dass der Zugang zu einer öffentlichen Großveranstaltung offenbar von der richtigen Gesinnung abhängt. Statt sich auf den Sport zu konzentrieren, wird ein politisches Zeichen gesetzt: Bestimmte Meinungen sind unerwünscht, selbst dann, wenn ihre Vertreter sich rechtmäßig und ohne jede Provokation im Stadion aufhalten wollen.
RB Leipzig wies die Darstellung zunächst pauschal zurück, bestätigte den Kern des Vorfalls jedoch indirekt. Laut Verein hat Tino Chrupalla selbst nie Karten für ein Heimspiel gekauft – formal korrekt, denn der Kauf lief über einen Spielerberater. Dass die Tickets dennoch für Chrupalla bestimmt waren und bereits auf seinem Handy lagen, erwähnte der Club nicht. Stattdessen griff RB Leipzig Chrupalla an und warf ihm widersprüchliche, sachlich falsche Angaben vor. Zur Unterstreichung verwies der Verein zudem darauf, vorsorglich einen Medienanwalt einzubeziehen.
Besonders auffällig ist dabei, wie selbstverständlich dieses Vorgehen offenbar als legitim betrachtet wird. Während politisch einseitige Aktionen, Banner, Statements und Ausgrenzungen im Fußballmilieu regelmäßig geduldet oder sogar gefeiert werden, scheint jede Maßnahme akzeptabel zu sein, solange sie sich gegen die AfD oder politisch Andersdenkende richtet. Offenbar gilt hier eine unausgesprochene Narrenfreiheit: Wer „gegen rechts“ handelt, muss weder Transparenz noch Fairness wahren.
Der Vorgang reiht sich damit in ein Muster ein, bei dem politische Diskriminierung nicht nur hingenommen, sondern stillschweigend normalisiert wird. Nicht die Handlung selbst steht zur Debatte, sondern allein die politische Zielrichtung. Wer der falschen Partei angehört, kann ausgeladen, ausgeschlossen oder diffamiert werden – und das ausgerechnet in einem Bereich, der sich gern als verbindend und überparteilich inszeniert.
(SB)























