Angeblich lassen wir uns ja die Art zu leben, von niemanden nehmen. Angeblich. Tatsächlich aber wird hier mittlerweile „aus Sicherheitsgründen“ (die dann nicht begründet werden) Tradition und Gebräuche in die Biotonne getreten.
Von Kunstprojektor
Jetzt hat es auch den Karneval in NRW erwischt:
Die Gründe sind verständlich und vielseitig:
Bundesweit verschärfte Sicherheitsauflagen bei Großveranstaltungen (mehr Polizei, Absperrungen, Kontrollen etc.)
Erfahrungen aus dem Vorjahr (Bombendrohung, die den Zug 2025 kurzfristig stoppte).
Bessere Koordination der Einsatzkräfte, da der Umzug in Rüttenscheid weiterhin am Rosenmontag (16. Februar) stattfindet – so laufen die beiden großen Essener Züge nicht mehr parallel
Der Umzug in Kupferdreh hat dann auch noch eine verkürzte Route und startet um 13:11 Uhr.
- Der erste dokumentierte Rosenmontagszug fand 1823 in Köln statt – organisiert von der neugegründeten „Rosenmontagsgesellschaft“.
- Danach folgten schnell andere Städte: Düsseldorf 1825, Mainz 1836.
- Vorher gab es zwar schon karnevaleske Bräuche und Fastnachtsfeiern (die bis ins Mittelalter und sogar in vorchristliche Zeiten zurückreichen), aber der spezifische Name „Rosenmontag“ und die organisierten Straßenumzüge mit Motivwagen etablierten sich erst im 19. Jahrhundert im Rheinland.
Warum heißt er eigentlich Rosenmontag?
Es gibt zwei hauptsächliche Erklärungen – beide sind plausibel und werden in Quellen (u. a. Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm, kirchliche Überlieferungen und Karnevalshistorikern) genannt:
- Die „Rasen-/Raserei-Theorie“ (die etymologisch am stärksten unterstützte):
Im rheinischen Dialekt (und mittelhochdeutsch) bedeutete „rasen“ so viel wie toben, ausgelassen feiern, Tumult machen. Der Tag hieß ursprünglich „Rasenmontag“ oder „rasender Montag“ – also der wilde, tolle Montag vor der Fastenzeit. Durch Dialektaussprache (das „a“ wurde zu „o“) wurde daraus „Rosenmontag“. Diese Erklärung findet sich schon bei den Brüdern Grimm und passt perfekt zur ausgelassenen Stimmung. - Die kirchliche „Rose/Rosensonntag-Theorie“:
Seit dem Mittelalter (ca. 11. Jahrhundert) weihte der Papst am vierten Fastensonntag (Laetare, auch „Rosensonntag“ genannt) eine goldene Rose als Symbol der Freude und Ehre. In Köln kam 1823 die Karnevalsgesellschaft ausgerechnet am Montag nach einem solchen Rosensonntag zusammen – sie nannten sich „Rosenmontagsgesellschaft“ und tauften ihren Zug „Rosenmontagszug“. Der Name ging dann auf den ganzen Tag über.
Heute gilt die Dialekt-Theorie (rasender → Rosenmontag) als die wahrscheinlichere linguistische Herkunft, während die Rosen-/Papst-Geschichte eher eine schöne Legende ist, die den Namen mit der christlichen Fastenzeit verknüpft.























