Europaweit gehen Kurden aktuell auf die Straße gegen das syrische Regime in Rojava/Nordostsyrien; in Deutschland kam es zu vermehrten Gewaltexzessen (Foto:Imago)
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Alles, was recht ist – aber das geht zu weit: Gewaltexzesse bei Kurden-Protesten gegen das syrische Islamistenregime

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In Dortmund und Stuttgart hat sich einmal mehr gezeigt, dass Deutschland zum Austragungsort der Konflikte der halben Welt geworden ist. Statt der erwarteten 400, kamen 4.000 Teilnehmer zu einer prokurdischen Demonstration in der Dortmunder Innenstadt unter dem Motto „Gegen das Töten von Unschuldigen, Zivilisten und Kindern“. Anderseits bei propalästinensischen Protesten, Kalifatsaufmärsche oder den Weihnachtsmarkt-Machtdemonstrationen von Syrien, die das neue Regime in Damaskus bejubelten (wohin sie jedoch gleichzeitig aufgrund angeblicher Unsicherheiten nicht remigrieren können) handelt es sich bei den Kurden um in der Sache durchaus berechtigte Kritik – denn es waren kurdische Peschmerga und Milizen, die für den Westen vor 11 bis 14 Jahren die Drecksarbeit im Nahen Osten machten und die fast im Alleingang den Islamischen Staat besiegten.

Nun richtet sich ihr Protest zu Recht gegen das Vorgehen der syrischen Regierung des Übergangspräsidenten und angeblich geläuterten Ex-Terroristen Ahmed al-Scharaa gegen Kurden und andere Minderheiten im Land, vor allem, weil dessen Truppen etliche Gefängnisse öffnete, in denen die damaligen IS-Kämpfer seither eingebuchtet waren. Nun machen sich etliche von diese auf Richtung Europa, ein neues “IS-Kalifat” wurde angeblich bereits ausgerufen. Die Kurden haben also durchaus einen berechtigten Punkt, wenn sie auf die Straße gehen und vor allem der deutschen Bundesregierung, die blind und blauäugig al-Schaaras Regime den roten Teppich ausrollt, den Ernst der Lage verdeutlichen. Allerdings sind die Methoden, die dabei zur Anwendung kommen, leider völlig inakzeptabel und diskreditieren das kurdische Engagement insgesamt.

Ins Unrecht gesetzt

So musste die Dortmunder Demo gegen 20 Uhr polizeilich aufgelöst werden, nachdem ein syrisches Restaurant in der Nähe des Hauptbahnhofs angegriffen wurde. Die Schaufenster wurden beschädigt, die Salattheke im Eingangsbereich wurde zerstört. Gegenüber „Bild“ behauptete der Besitzer, auch das Geld sei aus der Kasse gestohlen worden. Auch nach der Auflösung kam es zu weiteren Ausschreitungen, bei denen Teilnehmer Einsatzkräfte attackierten und unter anderem mit Böllern und Pyrotechnik warfen. Auch in Stuttgart kam es bei einer prokurdischen Demonstration zu ähnlichen Szenen. „Wir dulden keine Gewalt gegen Einsatzkräfte und die Verursacher erwarten harte Konsequenzen“, erklärte dazu die Polizei.

Wenn auch nicht alle, so gehören leider doch nicht wenige Kurden zu den Gruppen, die damit ihr Gastrecht in Deutschland für Gewaltexzesse missbrauchen. Wenn sie sich auch bewundernswerte Verdienste im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat erworben haben und ihre Wut darüber verständlich ist, dass jemand wie al-Scharaa im Westen finanziert und hofiert wird, während seine Truppen Kurden in Syrien abschlachten, muss man solche Ausschreitungen auf das Schärfste verurteilen – auch wenn die Kurden nicht zu denen gehören, die sich ständig irgendwelcher Verbrechen schuldig machen, wie Afghanen oder Syrer, deren Anteil an der Kriminalstatistik gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil exorbitant ist. Mit einem Verhalten wie in Dortmund und Stuttgart sinken sie jedoch auf ein Niveau herab, dass man von Veranstaltungen der Palästinenser, Eritreer, Syrer oder der Antifa kennt, die meist nur auf die Bekundung von Hass und nackte Gewalt abzielen. Deshalb wären sie gut beraten, wenn sie auch ihren berechtigten Protest auf eine Weise ausdrücken, der ihrem bisher guten Ruf gerecht wird.

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