Der Blick des Gastgebers verrät alles: Wadephul gestern in Äthiopien mit dem Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf (Foto:Imago)
[html5_ad]

Hat der keine Social-Media-Berater? Witzfigur Wadephul sorgt für diplomatischen Instagram-Affront in Afrika

c943efa9f8da40abb095f5b34c990960

Die deutsche Außenpolitik ist nicht nur inhaltlich ein einziger schlechter Wirt zulasten des eigenen Landes, die chronische Unfähigkeit der jeweiligen Amtsträger sorgt auch noch für immer neue formale Peinlichkeiten. Wer dachte, mit Annalena Baerbock sei zumindest in dieser Hinsicht die Talsohle durchschritten worden, muss feststellen, dass ihr Nachfolger Johann Wadephul auch hier nahtlos an ihr Werk anknüpft. Wadephul befindet sich derzeit auf zweitägigem Afrika-Staatsbesuch, der ihn auch nach Äthiopien führte. Auf seinem offiziellen Instagram-Account lässt er die Öffentlichkeit an seinen Reisen teilhaben. Dazu gehören auch Fotos seiner Ankunft am Flughafen von Addis Abeba, versehen mit dem Text: „Guten Morgen aus Äthiopien. Die zweite Station meiner Reise führt mich heute nach Addis Abeba, die höchste Hauptstadt Afrikas. 2.200 bis 2.300 Höhenmeter“.

Eines der Bilder dazu zeigte eine Skyline und den Kommentar: „Seit 120 Jahren pflegen wir unsere diplomatischen Beziehungen. Das Land wandelt sich rasant und beschreitet einen beeindruckenden Reformpfad“. Dumm nur allerdings: Die abgebildete Skyline war nicht die von Addis Abeba, sondern die der kenianischen Hauptstadt Nairobi, – was sich schon am berühmten und signifikanten Britam Tower feststellen lässt. Das Foto wurde inzwischen entfernt; wie es zu dem peinlichen Fauxpas kam, erklärte das Auswärtige Amt auf „Bild“-Anfrage nicht.

Heinrich Lübcke war nichts dagegen

Tatsächlich war Wadephul zuvor in Nairobi. Dort verkündete er, Afrika sei für Deutschland „ein Chancen-Kontinent“ und beklagte, bisher habe man sich jedoch „sehr stark auf den Norden und den Süden konzentriert und fahrlässigerweise alles, was dazwischen ist, übersehen“. Deshalb sei es „kein Zufall“, dass seine Afrika-Reise in Kenia beginne. Für die Afrikaner bestätigt sich mit dem Vorfall der Eindruck anhaltender Missachtung und Geringschätzung der Europäer für ihre Belange. Ausgerechnet für die so kultursensiblen Weltmoralweltmeister aus Deutschland ist dies ein Affront. Bundespräsident Heinrich Lübckes anhaltendes Bild als tölpelhafter Außenminister grub sich einst wegen weitaus geringerer Blamagen in die kollektive Erinnerung ein, als das, was Wadephul und seine Amtsvorgängerin bislang verzapft haben.

Man fragt sich wieder einmal, wofür Minister wie Wadephul eigentlich eine Unzahl von Beratern für alles und jedes haben, wenn man nicht einmal fähig ist, die Stationen einer Auslandsreise korrekt abzubilden. Früher wären solche Fehltritte groß berichtet worden und Anlass für Spott und Kritik gewesen. Heute gehen sie erstens in der allgemeinen Informationsflut unter und zweitens erwartet man solche Peinlichkeiten von deutschem „Spitzenpersonal“ ohnehin längst. Spätestens mit Heiko Maas ist das einst prestigeträchtige Amt des Außenministers zur Resterampe und zum Versorgungsposten für abgehalfterte Parteiapparatschiks geworden – oder im Falle Baerbocks zum Spielball für eine ebenso unfähige wie sendungsbewusste Selbstdarstellerin, die sich und Deutschland drei Jahre lang lächerlich machte. Außer Steuergeld im Ausland zu verbraten und Phrasen zu dreschen, haben Außenminister ohnehin nichts mehr zu tun. Da ist es dann auch schon egal, wenn ihr riesiger Mitarbeiterstab nicht einmal mehr die Länder korrekt wiedergeben kann, in denen sie sich gerade befinden. (TPL)

image_printGerne ausdrucken

Themen