Mit seiner blamablen Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz einmal mehr als völlig realitätsfremder Totalausfall erwiesen. Inzwischen wurde bekannt: Während sich bei Trumps Rede alles in den übervollen Saal drängte, war bei Merz‘ Haltungsgeschwafel nur rund die Hälfte der Plätze besetzt (was allerdings immer noch mehr war als bei Annalena Baerbocks fremdschamwürdigen Gestammel in einer Rumpelkammer vor einer Handvoll schmerzfreier und unverwüstlicher Journalistenfans). „Wir sind in eine Zeit der Großmachtpolitik eingetreten“, verkündete Merz, als handele es sich dabei um eine visionäre Erkenntnis. Die Grundlage der Ordnung der letzten Jahrzehnte werde angegriffen, die „neue Welt der großen Mächte“ sei „auf Macht, Stärke und – wenn nötig – auch Gewalt gegründet“. Eine Welt, in der nur Macht zähle, sei „ein gefährlicher Ort“, befand er. Allein damit zeigt er seine geschichtliche Unkenntnis. Die Zeit der Großmachtpolitik hat nie aufgehört, in Deutschland und anderen Teilen Europas hat man lediglich die Augen davor verschlossen, weil man von den USA geschützt wurde. Die angeblich neue Welt der großen Mächte sei „kein kuscheliger Ort“, schwadronierte er. Jedoch sei diese Situation kein unveränderliches Schicksal. Natürlich durfte auch die unvermeidliche Phrase von der „historischen Aufgabe“ nicht fehlen. Europa könne die Zukunft mitgestalten.
„Um zu bestehen, müssen wir uns mit einer harschen Realität auseinandersetzen und den Kurs mit klarem Realismus bestimmen“, meint er. Die Macht Europas bestehe aus Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Geschlossenheit. Es gehe nun darum, schnell in Verteidigung zu investieren und Volkswirtschaften wettbewerbsfähig zu machen. Deutschland wolle eine „Schlüsselrolle“ spielen, wenn es darum gehe, eine regelbasierte Weltordnung zu schützen, sagte er und sicherte Grönland, Dänemark und ganz Nordeuropa auch gleich noch deutschen Schutz vor Russland zu! Ein Land, das sich selbst nicht verteidigen kann, dass nicht einmal willens und fähig ist, die eigenen Grenzen vor Millionen illegaler Einwanderer zu schützen, will andere Länder vor der Atommacht Russland schützen, die sie gar nicht angreifen will.
Buhrufe und Dinner-Boykott nach deutlichen Worten von US-Handelsminister Lutnick
Diese Orgie aus abgedroschenen Allgemeinplätzen und großkotzigem Gefasel, dem keinerlei reale Machtmittel zugrunde liegen, ist typisch für Merz, aber auch die politische Kaste Deutschlands und Westeuropas. Banale Selbstverständlichkeiten werden mit geradezu gruselndem Unterton ausgesprochen, als würde hier Ungeheuerliches und nie Gehörtes erstmals festgestellt. All das zeigt den totalen Realitätsverlust Europas, das die Welt einfach nicht mehr versteht, die sich mittlerweile längst von ihm abgewandt hat. Bezeichnend dafür ist auch ein weiterer Vorfall in Davos.
Bei einem von Blackrock-Chef Larry Fink veranstalteten Dinner kam es zum Eklat, nachdem US-Handelsminister Howard Lutnick einige unangenehme Wahrheiten über Europa aussprach und die Welt dazu aufrief, sich stärker auf Kohle als Energiequelle zu konzentrieren, anstatt auf erneuerbare Alternativen. Dies löste Buhrufe aus, Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank, verließ gar brüskiert den Raum, das Dinner wurde vorzeitig abgebrochen. Symbolischer hätte diese Szene kaum sein können: Europa läuft vor der Realität weg und will nicht mehr damit belästigt werden. Seine Vertreter dulden nur noch Lobhudeleien von Claqueuren bei irgendwelchen luxuriösen Operettenveranstaltungen und verkünden danach irgendwelche Unsinnigkeiten auf Pressekonferenzen vor handverlesenen Journalisten. (TPL)























