Nicht nur in Deutschland, auch beim österreichischen Nachbarn grassiert der Nazi-Wahn und schlägt seine absurden Kapriolen. Vorgestern standen drei FPÖ-Kandidaten der Ösi-Gemeinderatswahlen vom vergangenen Jahr vor Gericht, weil sie am 20. April -Hitlers Geburtstag- Fotos von dessen Lieblingsspeise, Eiernockerl mit grünem Salat, veröffentlicht bzw. “einschlägig kommentiert” haben sollen. Die 61-Jährige Spitzenkandidatin soll laut Gericht etwa am 20. April 2019 auf Facebook ein Foto der historisch vorbelasteten Eiernockerl gepostet haben, die von ihrem Ehemann mit den Worten „heute schmecken sie am besten“ kommentiert wurden, worauf die Frau wiederum mit „gefällt mir“ reagierte. Der Mann soll überdies bei der Vorbereitung zum zweiten Corona-Lockdown zur Rolle des Gesundheitsministers „Ab in die Gaskammer, wir sind das freie Volk“ geschrieben und eine Videomontage mit dem Lied einer Rechtsrockband gepostet haben. Dafür wurde der 66-Jährige am Mittwoch zu 14 Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Frau wurde freigesprochen. Das Paar hatte seine Mandate nach der Wahl nicht angenommen. Dem dritten Angeklagten, wurde unter anderem vorgeworfen, am 20. April 2014 (!) ebenfalls ein Bild von Eiernockerln mit grünem Salat auf Facebook veröffentlicht und darunter „darf man das heute“ geschrieben zu haben. Zudem musste der 44-Jährige sich wegen eines Kommentars vom Januar 2025 zum Holocaust verantworten. Er wurde zu 15 Monaten bedingter Haft verurteilt.
Der Fall war Ende 2024 durch eine Anzeige von Karl Öllinger von der Plattform „Stoppt die Rechten“ ins Rollen gebracht worden. „Dass sich mehrere Personen, die noch dazu Kandidaten, Spitzenkandidaten sind, darüber immer wieder unterhalten und auch andere derartige Postings absondern, das ist schon eine besondere Qualität. Aber solche Fälle nehmen insgesamt auch zu“, behauptete Öllinger. Solche hysterischen Ergüsse kennt man auch von deutschen Anti-Rechts-Kämpfern – und natürlich auch von linken Politikern nach dem Muster von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim, der sich ereifert hatte, die Eiernockerl-Postings seien „keine Einzelfälle, sondern weitere Glieder in einer langen Reihe unerträglicher und menschenverachtender Aussagen von FPÖ-Politikern und -Politikerinnen“. Die FPÖ-Niederösterreich hatte dem das Eiernockerl-Posting eines SPÖ-Vizebürgermeisters vom 20. April 2018 entgegengehalten, das dieser, versehen mit der Bemerkung: „Ein Schelm, wer Böses denkt“ und einem Zwinker-Smiley veröffentlicht hatte. Wie ein Facebook-Posting beweise, stolpere die SPÖ gerade selbst über den Eiernockerl-Eintrag ihres Vizebürgermeisters aus Herzogenburg (Bezirk St. Pölten-Land), der auch diesmal auf Platz zwei der SPÖ-Liste kandidiere, so FPÖ-Landesparteisekretär Alexander Murlasits damals. „Hat die SPÖ ein Rechtsextremismusproblem?“, fragte er süffisant. Wenn die Partei „ihre eigenen Maßstäbe bei sich selbst ansetzt, dann müsste der rote Vizebürgermeister sofort ausgeschlossen werden und seine vermeintlichen Codes, die er in die Welt sendet, erklären“.
Die übliche Nazi-Pareidolie immer irrer
Murlasits forderte: „Lassen wir die Kirche im Dorf und kehren wir zur demokratiepolitischen Normalität und Vernunft zurück“. Dies stieß natürlich auf taube Ohren. Die Eiernockerl-Fotos und Kommentare der FPÖ-Politiker sind offensichtloch ironisch gemeint und nehmen die ewige Nazi-Hysterie aufs Korn, auch um zu provozieren. Dies ist der Hintergrund solcher angeblichen „Codes“, die in Wahrheit allgemein bekannt sind und selbst von dem SPÖ-Mann aufgegriffen wurden. So geheim und finster können die Eiernockerl-Bilder also nicht sein, wenn offensichtlich jeder sofort weiß, worauf sie sich beziehen. Es ist gerade der Überdruss wegen dieser linken Sucht, überall Nazis zu wittern, die solche verständlichen Gegenreaktionen hervorruft. Dass sie einen satirischen Charakter haben könnten, kann man sich in Österreich offenbar ebenso wenig vorstellen wie hierzulande. Wie weit dieser Irrsinn gediehen ist, zeigt sich unter anderem daran, dass der brandenburgische Verfassungsschutz eine ganze Liste schwer verdächtiger Kennzeichen ausfindig gemacht hat, die die „rechtsextremistische Szene“ missbrauche, „um ihre Gesinnung codiert nach außen zu tragen“, wie etwa „MR“, was für „Masterrace“ („Herrenrasse“) stehe. „WK“ stehe für „Weltkrieg“, „WP“ für „White Power“ oder „White Pride“ und „VL“ für „Vernichtungslager“. Aber nicht nur Buchstaben-, auch Zahlenkombinationen können die finstersten Codes enthalten. So soll „444“ „Deutschland den Deutschen“ bedeuten, da D der vierte Buchstabe des Alphabets ist. Und „2004“ weise nicht etwa auf das Geburtsjahr des Fahrers, sondern auf den Geburtstag Hitlers hin. Selbst das offizielle Kürzel „FG“ bei Autokennzeichen des sächsischen Landkreis Freiberg könne auch für „Führers Geburtstag“ stehen und auf eine mögliche rechte Gesinnung hindeuten, wird allen Ernstes gewarnt.
Man kann nur hoffen, dass die Eiernockerl-Farce aus dem Nachbarland nicht dazu führt, dass Behörden und linke Sittenwächter nun auch noch in Deutschland das Internet nach verfänglichen Fotos von Speisen absuchen und eine weitere Flut absurder Anzeigen gestartet wird. Angesichts des völlig irren Klimas, das bereits geschaffen wurde, gehört dazu nicht viel. (TPL)























