Die Zukunft der Deutschen Bahn? (Foto: Anna Vaczi/Shutterstock)
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Täglich 480 Zugausfälle – und selbst diese Zahl ist noch geschönt

Die Deutsche Bahn hat ihren Ruf als Inbegriff deutscher Zuverlässigkeit längst verspielt. Statt pünktlicher Präzision erleben Millionen Fahrgäste täglich Frust, Chaos,  Planungsunsicherheit bis hin zu tödlichen Attacken. Eine Anfrage der AfD zeigt das Ausmaß des kaputten Ladens.

Im Fernverkehr fallen durchschnittlich rund 480 Züge pro Tag komplett oder teilweise aus – eine Zahl, die aus einer Bundestagsanfrage des Abgeordneten Martin Sichert (AfD) an das Verkehrsministerium hervorgeht und 2025/2026 die Realität prägt. Davon entfallen etwa 15 Totalausfälle täglich, bei denen ein Zug gar nicht erst fährt.

Weitaus gravierender sind jedoch die 426 Teilausfälle: Züge werden einfach unterwegs abgebrochen – ein ICE von München nach Hamburg endet plötzlich in Berlin oder Hannover. Hinzu kommen rund 39 Halt-Ausfälle, bei denen geplante Bahnhöfe einfach ignoriert werden. Über die letzten Jahre summieren sich Hunderttausende solcher Vorfälle: Seit 2021 sind fast eine Million Fernverkehrsverbindungen zumindest teilweise betroffen.

Diese Praxis verschleiert die ohnehin katastrophale Pünktlichkeitsbilanz. Im Jahr 2025 lag die Quote bei nur noch 60,1 % – ein neuer Tiefstand (2024: 62,5 %, 2015 noch 74,4 %). Im Januar 2026 sackte sie teilweise auf 52,1 % ab.

Offizielle Statistiken zählen nur Verspätungen ab sechs Minuten – wer aber gar nicht erst ankommt oder umsteigen muss, taucht darin nicht als „Verspätung“ auf. Kritiker werfen der DB vor, durch gezielte Teilausfälle die Zahlen künstlich aufzuhübschen.

Die Ursachen sind bekannt und werden seit Jahren ignoriert: marode Infrastruktur, jahrzehntelange Investitionsstaus, überlastete Knotenpunkte, Personalmangel und eine Sanierung, die im Schneckentempo vorankommt. Neue Bahnchefin Evelyn Palla verspricht Stabilisierung – doch selbst sie rechnet 2026 kaum mit Besserung, sondern höchstens mit dem Stopp des Abwärtstrends. Milliardeninvestitionen des Bundes (2026: 23 Mrd. €) sollen helfen, doch die Wirkung bleibt fraglich.

Der eine oder andere erinnert sich noch: Früher galt Deutschland als Vorbild für pünktliche Eisenbahn. Heute ist die DB international zur Lachnummer geworden. Fahrgäste zahlen hohe Preise für einen Service, der oft unzuverlässiger ist als Billigflieger oder Fernbusse. Dazu kommen Sicherheitsprobleme an Bahnhöfen und in Zügen.

Die Bilanz ist ernüchternd: Die Deutsche Bahn ist kein verlässlicher Mobilitätsdienstleister mehr, sondern – wie so gut wie alles in diesem kaputten Land – ein Sanierungsfall.

(SB)

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