Hamburgs rote Bildungsstaatsrätin Katharina von Fintel (Foto:SenatskanzleiHamburg)
[html5_ad]

„Zeigen Sie Haltung“: Hamburgs Bildungssenatorin will Lehrer zu ideologischen Politkommissaren machen

von Hans-Peter Hörner

Mit der in der Überschrift wiedergegebenen Aufforderung an junge Hamburger Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst reiht sich Hamburgs SPD-Bildungsstaatsrätin Katharina von Fintel geradezu mustergültig in die Traditionslinie des seinerzeit real existierenden Sozialismus ein. Ehemalige Jungpioniere können sich an den Fahnenappell auf dem Schulhof erinnern. Wenn es hieß, „Für Demokratie und Menschenrechte. Seid bereit!“ musste die Antwort im Chor lauten: „Immer bereit!“ Ja, ist es bald wieder soweit? Bildungsstaatsrätin von Fintel wünscht sich jedenfalls unter den neuen Hamburger Pädagogen vor allem Menschen mit Haltung. Sie meint, „mit dieser Haltung kommt Verantwortung, denn Lehrkräfte sind nie neutral gewesen. Neutral im Sinne von Parteipolitik – ja. Aber nicht neutral gegenüber Diskriminierung, Menschenfeindlichkeit oder Angriffen auf Demokratie und Rechtsstaat.“ Von Fintel warnt in dem Zusammenhang vor „denen, die einfache Antworten geben, weil sie mit komplexen Antworten überfordert sind.“ Wen sie damit wohl meint?

Abgesehen davon, dass die studierte Chemikerin und Soziologin ganz offensichtlich versucht, den Lehrernachwuchs in eine von ihr vorgezeichnete Haltungsschablone zu pressen, hat sie offensichtlich vergessen, dass es sowas wie einen Amts- beziehungsweise Diensteid für Lehrkräfte gibt. „Ich schwöre, das Grundgesetz und alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren und meine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe.“ Die religiöse Beteuerung kann durch die Worte „Ich gelobe“ ersetzt werden. So sieht es das Beamtengesetz (BBG § 64) vor und damit ist eigentlich alles gesagt. Den wiederholten Hinweis auf den sogenannten Beutelsbacher Konsens, der längst in sinnbefreiten Debatten zerredet wurde, kann man sich hier ersparen. Bleibt die Frage, wozu also die Haltungsaufforderung?

Proaktive Indoktrination statt weltanschaulicher Neutralität

Es ist davon auszugehen, dass die inflationäre Verwendung des Begriffs „Haltung“ diesen zu einem linken Kampfbegriff gemacht hat. „Haltung“ wird von Linken gerne im Kampf gegen rechts gefordert, vor allem wenn es darum geht, „unsere Demokratie“ vor ihren Feinden – den Rechten – zu schützen. So auch von Fintel, die den jungen Lehrkräften empathisch Verantwortungswillen „für junge Menschen, für das Miteinander in unserer Stadt, für unsere Demokratie“ attestiert. Das Worthülsenpotpourri soll im Grunde nur kaschieren, dass die Linke aus dem durchaus positiv aufgeladenen Begriff „Haltung“ eine erbärmliche (richtige) „Gesinnung“ gemacht hat. Schäbige Widerspruchslosigkeit, weltanschauliche Angepasstheit und karrieredienliche Schlüpfrigkeit werden einfach zu einer Tugend, der sogenannten „Haltung“ umetikettiert.

So wird von einer der führenden Bildungspolitikerinnen in Hamburg letztlich proaktive Indoktrination, die über den Rahmen des Amtseides hinausreicht, gefordert. Die Stoßrichtung weist dabei auf den freiheitlich-patriotischen und konservativen politischen Gegner – Margot Honecker wäre amüsiert. Dabei hat von Fintel sogar einmal etwas Kluges in einem Interview gesagt: „Ich gehe davon aus, dass hinter einer abweichenden Meinung oder Haltung eine durchdachte Perspektive steht. Ich bemühe mich, die Welt auch aus der Perspektive der anderen Seite zu sehen. Vielleicht finde ich dort etwas sehr Nachvollziehbares, was ich vorher nicht gesehen habe – selbst wenn mir die Herangehensweise auf den ersten Blick ungewohnt erscheint. Wenn man aber genau hinguckt, versteht man die Rationalität des Gegenübers besser. Von da aus lassen sich die Dinge meist gemeinsam und sehr viel einfacher bearbeiten und lösen.“ Schade, dass sie das offenbar vergessen hat.

f4f0f3ba40fb412ab597716db71c86a7
image_printGerne ausdrucken

Themen