Die deutschen Kartellparteien sind offenbar daran interessiert, dass dieses Land wirklich jede Zukunftsfähigkeit verliert. Nur ist so erklären, dass der Stadtrat im hessischen Groß-Gerau mit der Mehrheit von 18 Stimmen von SPD, Grünen, FDP, Freien Wählern und Linken den Bau eines verzweifelt benötigten riesigen Rechenzentrums mit 174 Megawatt Leistung abgelehnt hat, dass der US-Investor Vantage errichten wollte. 2,5 Milliarden Euro wären dafür investiert worden. Auch andere Städte in Deutschland hatten schon im Vorfeld auf Anfragen hin die Errichtung solcher energieintensiver Rechenzentren abgelehnt. Im Fall Groß-Geraus sollte das gigantische Datenautobahn-Drehkreuz in Frankfurt am Main entlastet werden, dass eines der größten der Welt ist. Selbst die bestehenden 76 Server-Farmen in und um Frankfurt können die Datenmengen nicht mehr bewältigen. Im 35 Kilometer entfernten Groß-Gerau sollte deshalb Abhilfe geschaffen werden.
Doch diese wird es nun nicht geben – und zwar nur wegen der Engstirnigkeit einiger Provinzpolitiker. „Ich bin stolz darauf, dass wir eine so wichtige Entscheidung jetzt nicht fällen, weil uns Druck gemacht wird“, frohlockte SPD-Bürgermeister Jörg Rüddenklau. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Theisen-Canibol tönte: „Wir verkaufen unsere Stadt Groß-Gerau nicht an einen milliardenschweren Investor“. Vantage hatte die 14 Hektar große Fläche bereits gekauft. Wie es damit nun weitergeht, ist unklar.
Provinzielle Engstirnigkeit
Die Gründe für die Ablehnung sind, dass das Rechenzentrum laut Rüddenklau angeblich keine nennenswerten Arbeitsplätze oder relevante Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt bringen würde. Grüne und Linke hatten sich bereits vor der Sitzung gegen das Vorhaben ausgesprochen und sich dabei auf die erhöhte Umweltbelastung durch Hitze und Lärm, den enormen Energiebedarf, der nur über eine eigens zu bauende Stromleitung gedeckt werden könnte, sowie die kaum realisierbare Nutzung der Abwärme berufen. Eine Bürgerinitiative empfand die geplante Dimension der Gebäude als unangemessen, die mit mehr als 30 Metern Höhe die größten Hochhäuser der Stadt deutlich überragt hätten. Dass Groß-Gerau bis über die Ohren verschuldet ist und das Ged wahrlich dringend hätte gebrauchen können, war offenbar kein Argument. Lediglich die CDU und die Kombi-FWG – Freie Wählergemeinschaft Groß-Gerau stimmte für das Rechenzentrum.
Sorge um das Stadtbild und ein gehöriger Schuss Anti-Amerikanismus, der hier unüberhörbar mitschwingt, genügen also, dass ein derart bedeutendes Projekt nach einer anderthalbstündigen Stadtrat-Sitzung abgeschmettert wird. In der nahegelegenen Kleinstadt Maintal wiederholt sich das gleiche Spiel, diesmal mit Beteiligung der CDU, die sich gegen den Bau eines Rechenzentrums mit 170 Megawatt Leistung stemmt, das der US-Konzern Edgeconnex errichten will. Auch dies passt zu einem Land, das Atomkraftwerke nicht nur völlig irrsinnigerweise abschaltet, sondern sie danach auch noch in die Luft sprengt – und das auch noch unter dem Jubel der Medien und vieler Bürger. Deutschland vernichtet sich selbst und ist auch noch stolz darauf. (JS)























