Am Mittwoch enthüllte „Bild“ einen Skandal, der erneut die Verantwortungslosigkeit und Verfilzung der „Eliten“ dieses Landes demonstrierte. Im vergangenen Juni wurde der IC auf dem Weg von der Nordseeinsel Sylt in Heide gestoppt, weil bei der Hitze nicht ausreichend Wasser für alle Reisenden für einen Notfall an Bord war. Über 300 Reisende saßen auf unbestimmte Zeit fest, nur eine wurde -mitsamt Lebensgefährten und zwei Kindern-, von einem Dienstwagen der Bahn abgeholt und nach Hamburg zur S-Bahn kutschiert, damit sie den ICE ins Rheinland erreichte. Dabei handelte es sich um niemand anderen als Britta Zur, die damalige Sicherheitschefin der Deutschen Bahn, die privat unterwegs war. Ihr Begleiter war der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Fiedler. Die anderen Fahrgäste konnten selbst sehen, wo sie blieben.
Zum 31. Oktober schied Zur dann aus dem Amt – angeblich „im gegenseitigen Einvernehmen“, weil man unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Entwicklung gehabt habe, wie es im üblichen PR-Geschwafel hieß. Tatsächlich spielte auch die Nutzung des Fahrdienstes eine, wenn nicht die wesentliche Rolle dabei, denn diese ist für Privatfahrten nicht vorgesehen. Zur behauptete, man habe ihr den Fahrdienst intern angeboten, der ihr aber „keinen Vorteil in Bezug auf die tatsächliche Reise“ verschafft habe – was natürlich Unsinn ist. Zur und Fiedler schreien nach diesen Enthüllungen nun Zeter und Mordio. Auf dem Berufsnetzwerk „LinkedIn“ empören sie sich über „Dreck“ (Zur), eine „schmutzige Kampagne“ und eine „inhaltlich falsche und diffamierende Berichterstattung“ (Fiedler).
Typische Anspruchs- und Mitnahmementalität
„Mein Verhalten verstößt jedoch nachweislich (!) gegen keinerlei Vorschrift und stellt darüber hinaus ein übliches Verhalten im DB-Konzern dar“, schrieb Zur – dass genau darin das Problem liegt, erkennt sie gar nicht. Gegenüber „Bild“ stellte die Bahn klar, dass solche privaten Nutzungen verboten sind und einen Verstoß gegen die Compliance-Regeln darstellen. Fiedler tobte: „Für MEINE (!) Kritik an der Deutschen Bahn AG wird meine Lebensgefährtin mit einer inhaltlich falschen und diffamierenden Berichterstattung überzogen. Pfui!“ Hintergrund ist, dass er heftige Kritik daran geübt hatte, dass die Bahn über sieben Millionen Euro für Kurzfilme mit Anke Engelke ausgegeben hatte, die das desolate Image des völlig maroden Staatskonzerns aufpolieren sollten. Zur und Fiedler stellen es nun so dar, als würde die Bahn sich im Verbund mit „Bild“ an dem Paar rächen. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass Fiedlers Kritik an der Geldverschwendung der Bahn seinerseits eine Retourkutsche am Ex-Arbeitgeber seiner Lebensgefährtin war.
Solches Verhalten ist typisch für die Anspruchs- und Mitnahmementalität dieser Kaste, die sich in allen Bereichen zeigt. Anstatt mit gutem Beispiel voranzugehen, verschafft man sich jeden möglichen Vorteil und ist auch noch aufrichtig empört, wenn dieses Gebaren öffentlich wird und die verdiente Kritik erntet. Zurs und Fiedlers Reaktion zeigt, dass diesen Leuten jegliches Pflicht- und Anstandsgefühl fehlt. Anstatt zumindest eine ohnehin unglaubwürdige Entschuldigung abzugeben, inszenieren sie sich auch noch als unschuldige Opfer der rachsüchtigen Bahn und der Presse. Damit wird das anmaßende Selbstverständnis dieser Mischpoke wieder einmal eindrucksvoll demonstriert. (TPL)























