In den zerklüfteten Bergen Zentralasiens hat Tadschikistan eine Vision verwirklicht, die Seltenheitswert hat: Der Staat schützt entschlossen sein einheimisches persisch-tadschikisches Erbe vor der Überwältigung durch den politischen Islam.
Unter Präsident Emomali Rahmon, der das Land seit dem Ende des Bürgerkriegs 1997 führt, wird die Politreligion Islam nicht bekämpft – sondern auf seinen spirituellen Kern eingedampft. Fremde, arabisch geprägte Ideologien, die in den 1990er-Jahren fast das Land zerrissen hätten, werden konsequent zurückgedrängt. Das Ergebnis: Stabilität, nationale Einheit und eine Renaissance der uralten iranischen Kultur.
Die Maßnahmen sind konsequent und wirksam. Lange Bärte, einst Symbol für radikale Strömungen aus dem Nahen Osten, gelten als inoffizielles Tabu. Die Polizei greift gelegentlich ein und befreit Männer von diesem importierten Attribut – ein klares Signal: Tadschikistan will keine Talibanisierung.
Noch deutlicher wird der Schutz der nationalen Identität bei der Kleidung. „Fremde“ Gewänder, vor allem islamische Importe aus Saudi-Arabien oder der Türkei, sind verboten. Der Hidschab darf in Schulen, Behörden und öffentlichen Räumen nicht mehr getragen werden.
Selbst bei den Namen der Neugeborenen wird reguliert: Arabisch-islamische Namen wie Muhammad, Fatima oder Abdullah sind seit Jahren unerwünscht. Stattdessen werden Eltern ermutigt, auf alte persische Wurzeln zurückzugreifen: Farhod, Gulnora, Rustam oder Dilshod. So wird die Sprache der Vorfahren – das Tadschikische, eine direkte Fortsetzung des Persischen – wieder lebendig.
Islamische Feste wie Eid al-Fitr oder Eid al-Adha werden streng reglementiert – keine großen öffentlichen Spektakel für Kinder, keine übertriebenen Feiern, die den Alltag lahmlegen.
Es ist ein Akt der kulturellen Selbstbehauptung: Die Tadschiken sind keine Araber, sie sind Erben von Zarathustra, Alexander dem Großen und den Samaniden, die einst ein goldenes Zeitalter der Wissenschaft und Poesie schufen.
Die Feiertage spiegeln diesen Geist wider. Mit Tänzen, Sumalak-Kochen, Haft-Sin-Tafeln und Poesie wird der Frühling gefeiert – ein 3000 Jahre altes Ritual, das weit vor dem Islam existierte. Auch andere vorislamische Feste wie Sada oder Mehrgon gewinnen an Bedeutung. Tadschikistan erinnert seine Bürger: Eure Seele ist älter als der Koran und das islamische Joch.
Besonders mutig ist der Umgang mit der Familie. Ehen zwischen Cousins und Cousinen, in vielen islamischen Gesellschaften Tradition und Ursache für genetische Defekte, sind seit 2016 verboten. Vor der Eheschließung sind DNA-Tests Pflicht. So schützt der Staat die Gesundheit künftiger Generationen. Religiöse Praxis bleibt erlaubt, aber unter strenger Aufsicht. Keine Moschee darf außerhalb staatlicher Kontrolle arbeiten. Imame müssen staatlich geschult sein, Predigten dürfen keine Politik enthalten. Kinder unter 18 Jahren haben in Moscheen nichts verloren
Der Staat hat über 1500 unkontrollierte Moscheen geschlossen, die Islamische Renaissance-Partei verboten und ein klares Bekenntnis zur säkularen Republik abgegeben. Das Ergebnis ist spürbar: Weniger Extremismus, mehr Bildung, mehr Frauen in Führungspositionen und ein wachsendes Nationalbewusstsein.
(SB)























