Zum Auftakt eines Superwahljahres, das ihr die größten Erfolge ihrer Geschichte verheißt, scheint die AfD entschlossen zu sein, das Zerstörungswerk ihrer Gegner selbst in die Hand zu nehmen. In Sachsen-Anhalt, wo sie in Umfragen bei 40 Prozent liegt und nach der Landtagswahl im September die Chance hätte, erstmals einen Ministerpräsidenten zu stellen, zerlegt sie sich derzeit gerade lustvoll selbst.
Der Landesverband ist wegen Vorwürfen von Vetternwirtschaft zerstritten, weil Verwandte im Bundestag, im Landtag und bei Parteiorganisationen beschäftigt sind. Dass dies bei allen Parteien so gehandhabt wird, spielt keine Rolle, weil die Medien dies natürlich genüsslich aufgreifen und der AfD vorhalten.
Der ehemalige Generalsekretär in Sachsen-Anhalt und Bundestagsabgeordnete, Jan Wenzel Schmidt, den die Partei ausschließen will, droht seit Monaten mit Enthüllungen über diese Beschäftigungsverhältnisse und Reisekostenbetrug. Bundesvorstandsmitglied Kay Gottschalk sollte vermitteln, gab nun aber resigniert auf. „In der jetzigen Situation würde das selbst der Papst nicht schaffen“, erklärte er.
Zur völligen Unzeit
Gottschalk hatte erfolglos eine „Friedenspflicht“ gefordert, bei der sich alle Beteiligten mindestens bis Ende des Monats mit Äußerungen zurückhalten sollten. Am Freitag bekannte er: „Ich bin ratlos. Ich kriege die beiden Enden des Seils nicht verknüpft.“, Die Schuld dafür wollte er niemandem zuweisen. Es liege „einfach in der Natur der Sache“. Er habe „vorerst keine Idee, wie das weitergehen könnte“, so Gottschalk.
Das alles kommt für die AfD zur völligen Unzeit. Anstatt persönliche Eitelkeiten beiseite zu schieben, die Beschäftigung von Verwandten damit zu erklären, dass die AfD aufgrund der permanenten Anfeindungen und Drohungen kaum Mitarbeiter findet, die die gesellschaftliche Stigmatisierung auf sich nehmen wollen, die damit unweigerlich einhergeht und überdies auch noch davon ausgehen muss, dass der Verfassungsschutz sie gründlich unterwandert hat, taumelte man völlig unvorbereitet in diese Debatte, obwohl absehbar war, dass sie kommen würde, erst recht in einem solchen Wahljahr. In Sachsen-Anhalt ist die Partei auf dem besten Weg, ihren riesigen Vorsprung, wenn nicht zu verspielen, so doch unnötig zu verkürzen. Umso dringender wäre es, endlich zur Vernunft zu kommen, zumal dieser Streit auch die Gesamtpartei in Mitleidenschaft zieht. (TPL)























