Olympia ist in aller Munde: In Norditalien kämpfen Athleten aus 92 Ländern in 116 Bewerb um Medaillen. Nach einer Woche gibt’s bereits alles: Favoritensiege, Überraschungen, emotionale Triumphe. Doch wenn ein siegreicher Sport-Star nicht ganz ins mediale Wohlfühlbild passt, wird auch kräftig ausgeteilt. Im Falle des niederländischen Eisschnelllauf-Stars Jutta Leerdam zerreißen sich die Medien seit Tagen das Maul, u.a. weil ihr US-Freund ein Trump-Fan ist. Auch die ikonische Siegerpose von Österreischs Snowboard-Ass Benjamin Karl bringt das Blut mancher Erklärbären in Wallung.
Top-Eisschnellläuferin als Reibebaum
Wenn Jutta Leerdam mit eleganten Schritten, aber unfassbar schnell über das Eis gleitet, fiebern nicht nur holländische Sportfans mit. Auch Männerherzen aus aller Welt schlagen offenkundig höher: Das Magazin „FHM“ etwa schrieb der fotogenen Sportlerin vor einigen Jahren den „schönsten Hintern der Niederlande“ zu. Die mit 1,81 Meter groß gewachsene Blondine hat zudem 6 Millionen Instagram-Follower. Auf den Bildern im sozialen Medium strahlt sie nun mit ihrer über die 1000-Meter-Sprintdistanz mit neuem Olympischem Rekord errungenen Goldmedaille um die Wette. Doch bei der Medienlandschaft in ihrem Heimatland und darüber hinaus ist sie kein Liebling.
Blätter, die schweigen, wenn globalistische Eliten mit dem Privatjet nach Davos fliegen, um zu beraten, wieso der Urlaubsflug einfacher Bürgern „klimaschädlich“ ist, skandalisierten die Privatjet-Anreise Leerdams zu Olympia. Zudem ist man sauer über ihren jüngsten Medien-Boykott, weil sie sich vor den Titelkämpfen auf den Sport konzentrieren wollte. Und ganz besonders schockiert ist man überall über ihren „umstrittenen“ Verlobten. Diese Zuschreibung erhält der US-Boxer & YouTuber Jake Paul nämlich wegen seiner politischen Verortung: Er gilt als Unterstützer von Donald Trump, stand dem offiziellen Corona-Narrativ kritisch gegenüber und trauerte um den ermordeten Charlie Kirk.
Medien kritisieren reihum „Partnerwahl“
Die holländische Presse schlachtete im Vorfeld des Wettkampfes, den sie vor ihrer Teamkollegin Femke Kok gewann, alles aus. Aber auch über die Grenzen hinweg stimmte man ein. „Mit ihrem Internet-Ruhm, ihrem glamourösen Privatleben und ihrer Partnerwahl polarisierte die Niederländerin bei diesen Winterspielen allemal“, schreibt u.a. der „Stern“. Die Presseagentur dpa behauptete, dass Leerdam – obschon schon Silbermedaillen-Gewinnerin vor 4 Jahren in Peking – für „ihre Social-Media-Aktivitäten bekannter sei als für ihren Eissschnelllauf“. Der „Standard“ erwähnte ihren Erfolg nur nachgestellt: „Influencerin, Marke, Medium, Verlobte – und Olympionikin“.
Die patriotische Aktivistin, Ex-Politikerin & Grundrechtsanwältin Eva Vlaardingerbroek kritisierte die Schieflage auf sozialen Medien: „Diese junge Frau hat buchstäblich Gold gewonnen, aber natürlich verdammt die holländische Linke jetzt Jutta Leerdam. Man unterstellt ihr, sie wäre eine Diva – weil sie hübsch ist, mit dem Privatjet flog, und vor allem, weil sie mit einem Mann verlobt ist, der Trump und den Einsatz der ICE-Einheit unterstützt. Ich liebe mein Land, aber diese abschätzige ‚Wenn du dich normal verhälst, bist du bereits verrückt genug‘-Mentalität ist etwas, das ich wirklich verabscheue.“
Karl-Jubelpose plötzlich „sexistisch“?
Aber man muss keinen nach Ansicht der Mainstream-Presse politisch „umstrittenen“ Partner haben, um ins Visier der Gesinnungswächter zu geraten. Dies muss dieser Tage auch Benjamin Karl erfahren. Der Niederösterreicher kürte sich mit der Wiederholung der Goldmedaille im Parallel-Riesentorlauf der Snowboarder mit 40 Jahren zum ältesten heimischen Olympiasieger. Seinen Triumph feierte er mit einer ikonischen Pose mit nacktem Oberkörper, die er sich von Hermann Maier abgeschaut haben will. Doch der „Kurier“ macht daraus nun eine „Gesellschaftsfrage“, die etwas über „Rollenbilder, Sexismus und Emotionen im Sport verrät“.
Dort grub man u.a. die langjährige ORF-Sportmoderatorin Mari Lang aus, in der Vergangenheit wegen Auftritten bei SPÖ-Parteiveranstaltungen in der Kritik. Sie erklärte nun: „Würde ich die Fotos ohne Wissen über den Kontext sehen, käme ich nicht auf die Idee, dass hier Euphorie ausgedrückt wird. […] Die Pose wirkt kriegerisch, dominant, aggressiv, fast bedrohlich.“ Sie problematisiert eine „einseitige öffentliche Darstellung von Männlichkeit, die dem Stereotyp des starken, durchsetzungsfähigen Alpha-Mannes entspricht“. Irgendwie würde dies dazu führen, dass Männer, die Gefühle jenseits von Wut oder Aggression zeigen, als verweichlicht wahrgenommen würden.
„Doppelmoral“ bei Nacktheit & Tränen?
Der „Kurier“ behauptet, dass man „weinende Männer“ im Profisport nur selten sähe. Marco Odermatts Entschuldigung für Tränen nach der knappen Niederlage in der Kitzbühel-Abfahrt sieht man ebenso als Schieflage wie die Kritik an Serena Williams für ihren Streit mit dem Schiedsrichter im US-Open-Finale Hierzu meint die Sportpsychologin Andrea Engleder, Mädchen würde man in ihrer Sozialisation früh eintrichtern, „nicht laut und nicht auffällig“ zu sein. Doch es geht noch weiter: Während Lang einen „freien Zugang zu Körperlichkeit“ an sich begrüßt, sieht sie eine „Doppelmoral bei Nacktheit“ als problematisch. Hätte Lindsey Vonn im BH posiert, wäre das „ein Skandal gewesen“.
In Wahrheit posierte die beim Sturz in der Olympia-Abfahrt verletzte US-Amerikanerin mehrfach frewillig im Schwimmanzug der „Sports Illustrated“ und spazierte vor zwei Wochen medienwirksam auf Instagram ebenfalls in einem Bikini durch die Winterslandschaft. Und Bilder mit sichtbarem BH unter dem Rennanzug waren so ziemlich das Einzige für das die oben erwähnte Leerdam von Medien jüngst nicht kritisiert wurde. Der Medienpsychologe Josef Sawetz führt aber aus: „Während Karls Entblößung als Ausdruck von Triumph, Kraft und Leidenschaft gerahmt wird, unterliegen Sportlerinnen einer ständigen Gefahr der Sexualisierung.“
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Dieser Beitrag erschien zuerst auf „Der Status” und stammt von Julian Schernthaner























