Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wird seit vergangenem August saniert und sollte Ende April wieder in Betrieb genommen werden – aber wie immer in diesem Land kann der Zeitplan natürlich nicht eingehalten werden, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Die Fertigstellung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Diesmal muss die Witterung als Ausrede herhalten. „Wir haben es hier in der Region mit dem stärksten Wintereinbruch seit mehr als 15 Jahren zu tun“, verkündete Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte, DB InfraGO. „Natürlich“ haben man einen Puffer für die kalte Jahreszeit in den Zeitplan eingebaut, „Dauerfrost und Schnee“ würden aber deutlich länger anhalten als erwartet“.
Seit Ende Dezember könnten bestimmte Arbeiten technisch nicht durchgeführt werden, hieß es weiter. „Da die Kabelkanäle vereist und teils zugefroren sind, können zum Beispiel Kabel für die Signal- und Stellwerkstechnik nicht wie geplant verlegt werden. Auf einigen Abschnitten der Strecke reicht der Bodenfrost bis in eine Tiefe von 70 Zentimetern“, erklärte die Bahn. Bis Mitte März will man nun ein neues Konzept für die Inbetriebnahme der Strecke vorlegen, die Arbeiten sollen sich um mindestens sechs Wochen verzögern. „Jetzt beginnt die Aufholjagd, wir hoffen jeden Tag auf besseres Wetter“, tönte Bolte, ohne die Lächerlichkeit dieser Aussage zu bemerken.
Perplex und überfordert
Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken in Deutschland mit täglich etwa 30.000 Fahrgästen im Fernverkehr und insgesamt 470 Zügen pro Tag. Dennoch schafft man es in Deutschland nicht mehr, die Zugverbindung zwischen den beiden größten Städten des Landes im geplanten Zeitraum zu sanieren – und zwar wegen völlig normalen Winterwetters. Man fragt sich, welche „Puffer“ in den Zeitplan eingebaut wurden, wenn man völlig perplex und überfordert damit ist, dass es von Dezember bis Februar nun einmal kalt ist und zu Minusgraden, Schnee und Frost kommen kann. Das Gejammer über den „stärksten Wintereinbruch seit mehr als 15 Jahren“ ist einfach nur peinlich und ein weiterer Offenbarungseid der Bahn.
Es wird der Eindruck erweckt, hier sein ein völlig unerwartbarer arktischer Kälteeinbruch erfolgt, mit dem zu dieser Jahreszeit nun wirklich nicht zu rechnen war. Wäre dies im Oktober geschehen, könnte man noch Verständnis aufbringen, aber Winterwetter im Winter sollte eigentlich in die Planungen mit einfließen und niemanden überraschen – außer man legte den Planungen die mehr als ein Vierteljahrhundert alte Prognose des „renommierten“ Klimaforschers Mojib Latif zugrunde, der im Jahr 2000 vermeldet hatte: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“. Dieser Vorfall und das klägliche Gerede, mit dem man ihn rechtfertigt, zeigt wieder einmal wie unter einem Brennglas, warum dieses Land völlig am Ende ist. (TPL)























