Linke Wutbürger im Theater außer Rand und Band (Symbolbold:Shutterstock)
[html5_ad]

Weil er so überzeugend einen Faschisten spielte: Linksverhetztes Publikum in Bochumer Theater greift Schauspieler auf offener Bühne an

Die immer weiter eskalierende Anti-Rechts-Hysterie in diesem Land hat inzwischen solche Ausmaße erreicht, dass manche schon nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können. Im Bochumer Schauspielhaus läuft seit Samstag das Stück „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“. Darin geht es darum, dass eine linke Familie sich jedes Jahr auf dem portugiesischen Land einfindet, um einen politischen Gegner -natürlich „Rechte“ aller Couleur- zu fangen und hinzurichten. Den Faschisten, den es diesmal treffen soll, verkörpert der Schauspieler Ole Lagerpusch. Zur Rolle gehört auch ein Monolog, in dem er seine politische Haltung rechtfertigt und dabei heftig gegen Eliten, Homosexuelle et cetera wettert. Für viele Zuschauer war das zu viel. Bei der Premiere gab es aus dem Publikum zunächst Rufe wie „Aufhören!“, „Nazis raus!“ und „Halt die Fresse!“. Andere verließen den Saal.

Eine junge Frau warf unter Applaus eine Orange (!) auf Lagerpusch. Zwei Männer konnten dann aber irgendwann aber gar nicht mehr an sich halten, stürmten auf die Bühne und wollten ihn herunterzerren. Verletzt wurde Lagerpusch nicht, die Polizei wurde nicht hinzugezogen. Der Vorfall zeigt aber, wie weit der Faschismus-Wahn bereits gediehen ist. Nicht einmal eine künstlerische Auseinandersetzung ist noch möglich, ohne dass selbst einem Schauspieler, der einen Faschisten darstellt, körperliche Gefahr droht. Das Schauspielhaus erklärte in einer Stellungnahme, man verstehe sich „als Ort der künstlerischen Auseinandersetzung, an dem kontroverse Themen und ästhetische Zumutungen verhandelt werden“. Auch „entschiedener Widerspruch“ könne dazugehören. Gleichzeitig verstehe es das Theater „als geschützten Raum, sowohl für das Publikum als auch für die Künstler*innen auf der Bühne, als Ort, an dem man sich respektvoll, ohne Angst vor körperlicher Gewalt oder Einschüchterung begegnen kann“. Nur in Anerkennung dieser Prämisse könne „leidenschaftlich und frei um künstlerische und politische Fragen gerungen werden“.

Jubelnde Haltungspresse

Dass ein Schauspieler in Ausübung seiner künstlerischen Arbeit körperliche Angriffe erfahren musste, „hat uns zutiefst erschreckt, wir erachten diese Übergriffigkeit als vollkommen inakzeptabel“, hieß es weiter. Bei der Aufführung am folgenden Tag setzte man Sicherheitskräfte ein.
Teile der Medien haben auch noch Verständnis für den Angriff auf Lagerpusch. „Ist es nicht „zu begrüßen, dass Theater Menschen derart bewegt, dass sie sich eben nicht mehr zusammenreißen mögen?“, hieß es allen Ernstes in einem Kommentar der „Rheinischen Post“. Schließlich zeige der faschistische Monolog, „was uns bevorstehen könnte, wenn rechtsradikale Parteien, ohnehin vielerorts in Europa auf dem Vormarsch, die Oberhand gewönnen“. In Zeiten, in denen Teile der Welt in ihrem Protektionismus immer weiter nach rechts rücken und in denen sich „immer mehr faschistische Phrasen in die Tagespolitik schleichen, ohne dass es den meisten aufzufallen scheint“, könne „die offene Empörung über zur Schau gestellten Rechtsradikalismus – und sei es nur als Zitat auf der Bühne – keine schlechte Nachricht sein“, wurde konstatiert. Insofern sei „der Tumult von Bochum, abgesehen von den mittelalterlich anmutenden physischen Übergriffen, ein echter Grund zur Hoffnung. Und das Beste, was dem Theater passieren kann“.

Dass hier ein Schauspieler von durchdrehenden Hysterikern körperlich angegriffen wurde, wird als Petitesse abgetan, die im Kampf gegen Rechts und im Sinne des Theaters durchaus begrüßenswert sei. Es ist unfassbar, welches Ausmaß an Verdummung über dieses Land gekommen ist. (TPL)

3d457ad1851d4bbc8c6de746a0cb5c69
image_printGerne ausdrucken

Themen