Die „Zeit“ zitiert einen Fachmann, der zum Beten gegen Gasmangel rät. Die Verantwortlichen für diesen dramatischen Zustand werden natürlich nicht genannt. Ebenso kein Hinweis für eine Lösung des Problems. Worum geht es? Deutschlands Gasspeicher leeren sich rasant. Der Füllstand liegt nur noch bei rund einem Viertel, regional deutlich darunter. Jetzt geht’s um Kopf und Kragen.
Selbst die Bundesnetzagentur schließt einen Gasmangel in diesem Winter nicht aus und verweist nüchtern auf zwei Faktoren: Temperatur und Verhalten der Marktteilnehmer. Mit anderen Worten: Physik und Hoffnung. Während Deutschland sich weiter durch den Winter bibbert, sinken die Speicherstände jeden Tag. Der Süden ist besonders betroffen – viel Industrie, wenig Speicher.
Jetzt hilft nur noch beten
Die Ministerin vertraut auf den Markt, während derselbe Markt im Februar Richtung Himmel blickt. Ein Plan B ist nicht deutlich erkennbar. Versorgungssicherheit hängt am Thermometer. Wenn Fachleute nicht mehr rechnen, sondern hoffen, hat die Statistik ihre Grenze erreicht. In einem Bericht der Zeit formulierte ein Branchenkenner es ungeschützt: „Jetzt hilft nur noch beten“. Die Bemerkung hat Gewicht, weil sie dort fällt, wo technische Argumente ausgegangen sind.
Ob in der Kunst des Betens geübt oder nicht: Seit Jahrtausenden verneigten sich die Menschen vor Sonne, Mond und goldenen Kälbern, die heute grün angestrichen sind. Wenn die eigene Kraft zu Ende geht, blickt man gerne nach oben, dort zu den Sternen, die alle so schön geordnet ihre Bahnen ziehen. Die Bahnen auf Erden sind aus dem Ruder gelaufen. Und jetzt solle man beten.
Herr, hilf, dass das Gas nicht alle geht!
Die Frage ist nur, ob diejenigen, die uns die Misere eingebrockt haben, beten sollen oder ob ein kollektives Gebet beim Verbraucher stattfinden muss. Eine Rahmenvereinbarung mit der katholischen oder evangelischen Kirche ist noch nicht bekannt geworden, denn die Räumlichkeiten in den Kirchen, Domen und Münstern sind naturgemäß begrenzt. Man müsste einen Plan einführen: 6 Uhr bis 7 Uhr betet Berlin-Charlottenburg, 7 Uhr bis 8 Uhr Berlin-Wilmersdorf, 9 Uhr bis 10 Uhr Berlin-Schöneberg. Übertragbar auf andere Städte, und so hätte die Ökumene endlich eine sinnvolle Aufgabe. Die Religionszugehörigkeit würde am Kirchenportal nicht geprüft und auch jene, die bislang keinen oder einen ganz anderen Herrn kennen, dürften in der Zeit der größten drohenden Kälte in das Gotteshaus eintreten.
Die Gesangsbücher würden ausliegen und ein Vorbeter, ob ein Pfarrer oder ein Gemeindemitglied, könnte die inbrünstigen Gebete vorformulieren, welche dann die Gemeinde der Bedürftigen in besinnlichem Ton nachmurmelt. Endlich eine sinnvolle Fördermaßnahme für das Spirituelle. Ob aber Gebete auch bei Atheisten helfen?
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Dieser Beitrag erschien auch auf MMNews.























