Zwangsübernachtung auf dem Rollfeld im dichten Schnee: Für 600 Passagiere wurde am Freitag dieser Alptraum Wirklichkeit (Symbolbild:Pixabay)
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Färben die Verhältnisse bei der Deutschen Bahn allmählich auf die Lufthansa ab?

Der ungeheuerliche Vorfall von vergangener Woche, als hunderte Passagiere die Nacht von Donnerstag auf Freitag in ihren Flugzeugen auf dem Münchner Flughafen verbringen mussten, wirft ein weiteres erschütterndes Schlaglicht auf die geradezu aberwitzigen Verhältnisse, die in diesem Land herrschen. Wegen starker Schneefälle konnten insgesamt sechs Flüge nicht starten. Wie am Montag bekannt wurde, waren davon nicht 500 Passagiere betroffen, wie es zunächst hieß, sondern sogar rund 600. Fünf davon waren Lufthansa-Flüge. Man schaffte es nicht, für Busse zu sorgen, die die Menschen aus den Maschinen abtransportieren konnten. Die Lufthansa spricht von unzumutbaren Zuständen, verweist aber auf den Flughafen, der für die Organisation der Busse zuständig sei. Dieser teilte mit, zwischen 0 Uhr und 5 Uhr morgens gelte in München die Nachtflugregelung, die Flüge nur nach Einzelfallgenehmigung des Verkehrsministeriums erlaube.

Um die Durchführung möglichst vieler Flüge zu unterstützen, sei eine Sonderfluggenehmigung eingeholt und Flugzeuge ausnahmsweise noch bis 1 Uhr nachts auf die Rollfelder geschickt worden. Aufgrund der „außergewöhnlichen Wetterlage“ hätten diese Flugzeuge jedoch unvorhergesehen umkehren müssen. Hintergrund sei, „dass starker, nasser Schneefall zu überdurchschnittlich langen Enteisungszeiten sowie kurzfristig notwendigen Schließungen der Start- und Landebahnen zur Schneeräumung“ geführt habe. Deshalb habe bei den betroffenen Maschinen das Zeitlimit bis 1 Uhr nicht eingehalten werden können. Weil aber bereits alle Terminals mit Fliegern belegt waren, mussten die betroffenen Maschinen auf ihren Positionen stehen bleiben. „Aufgrund der nächtlichen Uhrzeit und Defiziten bei der Kommunikation war der Busverkehr stark eingeschränkt.

Möglicherweise strafbares Verhalten der Verantwortlichen

Es habe zu keiner Zeit Gefahr für die Fluggäste bestanden, die Passagiere seien „in den Flugzeugen von den Airlines bestmöglich versorgt“ worden, hieß es weiter. „Die Crews informierten die Gäste fortlaufend und versorgten sie bestmöglich mit der an Bord vorhandenen Verpflegung. Alle Flugzeuge waren beheizt und hatten ausreichend Strom“, erklärte eine Lufthansa-Sprecherin. Der Flughafen räumte „Defizite“ ein, erklärte jedoch mit keinem Wort, worin diese konkret bestanden. „Uns ist bewusst, dass die Lage am Donnerstagabend eine schwierige und kaum nachvollziehbare Situation für die Passagiere war. Wir entschuldigen uns dafür bei den betroffenen Fluggästen ausdrücklich“, so der Flughafen weiter. Auch die Lufthansa entschuldigte sich. Noch am Freitag habe man mit den betroffenen Passagieren Kontakt aufgenommen, die Gäste würden „entsprechende Entschädigungszahlungen“ erhalten.

Der Strafverteidiger Thomas Tschammer hält das Handeln der Kommandanten der Flugzeuge und der Münchner Flughafenverwaltung für strafbar. Seiner Meinung nach hätte den betroffenen Passagieren wegen Nötigung und Freiheitsberaubung ein Notwehrrecht zugestanden. Einer der größten Flughäfen des Landes, der ein Drehkreuz für den globalen Flugverkehr ist, schafft es nicht, ein paar Busse zu organisieren, die 600 Menschen abholen können, die deswegen die ganze Nacht in Flugzeugen ausharren müssen. Und wie immer in diesem Land ist man mit wortreichen Ausreden schnell bei der Hand. Wegen der „nächtlichen Uhrzeit“ und Kommunikationsdefiziten sei es zu dem Skandal gekommen, heißt es allen Ernstes. Die Passagiere seien „bestmöglich“ versorgt worden, als habe es sich um einen kriegerischen Angriff, eine Naturkatastrophe oder eine sonstige Form von höherer Gewalt gehandelt. Dabei ging es einfach nur um normales Winterwetter und die Unfähigkeit eines Flughafens, Busse bereitzustellen. Es sind Zustände, die jeder Beschreibung spotten. Der geringste Anlass genügt in diesem Land mittlerweile, um einen totalen Stillstand und völlige Überforderung auszulösen. Es fehlt jetzt nur noch, dass der Münchner Flughafen nach dem Vorbild der Deutschen Bahn für teures Geld alberne Filmchen produzieren lässt, in denen man sich über die eigene Inkompetenz amüsiert, anstatt etwas dagegen zu unternehmen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. (TPL)

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