Kaum hat die US-Regierung signalisiert, dass sie das Ausfuhrverbot für venezolanisches Erdöl nach Kuba lockern will, sofern die Geschäfte der Bevölkerung und dem Privatsektor zugutekämen, bahnt sich auch schon wieder eine weitere Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Kuba und den USA an. Der kubanische Grenzschutz hatte gestern offenbar vier Menschen auf einem amerikanischen Schnellboot erschossen und sechs weitere verletzt. Laut kubanischem Innenministerium habe das Boot “Hoheitsgewässer verletzt” und sich bis auf eine Seemeile der Küste von Villa Clara genähert. Als fünf Grenzschutzbeamte zur Identifizierung des US-Bootes ausgerückt seien, habe dessen Besatzung das Feuer eröffnet. Dadurch sei auch der Kommandant des kubanischen Schiffes verletzt worden.
Bei der „Konfrontation“ seien dann vier „Angreifer“ getötet worden. die zehn Insassen des Bootes die Absicht gehabt hätten, „zu terroristischen Zwecken“ in Kuba einzudringen. An Bord seien „Sturmgewehre, Handfeuerwaffen, selbst gebaute Sprengkörper (Molotow-Cocktails), kugelsichere Westen, Zielfernrohre und Tarnuniformen“ entdeckt und beschlagnahmt worden. Die Bootsbesatzung bestehe ausschließlich aus Kubanern mit Wohnsitz in den USA. James Uthmeier, der Generalstaatsanwalt von Florida erklärte, der kubanischen Regierung könne man nicht trauen und man werde „alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Kommunisten zur Rechenschaft zu ziehen“. Die Staatsanwaltschaft wies er an, Ermittlungen aufzunehmen.
Dramatische humanitäre Lage
Der kubanischstämmige US-Politiker Carlos A. Giminez schrieb: „Die Diktatur in Kuba hat ein Boot aus Florida angegriffen und die Menschen an Bord ermordet“ Dieses Regime müsse „in den Mülleimer der Geschichte befördert werden“. Außenminister Marco Rubio äußerte sich vorsichtiger. Es könne sich um eine „Vielzahl von Dingen“ handeln. Verschiedene Abteilungen der US-Regierung würden derzeit versuchen, „Details der Geschichte zu identifizieren, die uns momentan möglicherweise noch nicht vorliegen“. Es genüge zu sagen, „dass Schießereien auf offener See in dieser Form höchst ungewöhnlich sind. Das ist nichts, was jeden Tag passiert“, sagte er. Laut einem anonymen US-Beamter handelte es sich um ein ziviles US-Boot, das Teil einer Flotte gewesen sei, die Verwandte aus Kuba herausholen sollte.
Mit dem Sturz des venezolanischen Diktators Nicolas Maduro durch die USA zu Jahresbeginn, kamen die Öllieferungen nach Kuba, auf die das dortige Regime unbedingt angewiesen ist, vollständig zum Erliegen. Die Folge ist die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991. Die humanitäre Lage wird immer dramatischer. Trump hatte kürzlich erklärt, durch die Öl-Blockade werde das Regime fallen und drohte Ländern wie Mexiko, die Öl nach Kuba liefern, mit Strafzöllen. Nun wollen die USA selbst das Embargo lockern. Wie sich der jüngste Vorfall nun auswirken wird, bleibt abzuwarten. (TPL)























