Ab 1. Juli 2026 kassieren unsere 630 Bundestagsabgeordneten fast 500 Euro mehr pro Monat – automatisch, ohne peinliche Abstimmung, einfach per Knopfdruck.
Von 11.833,47 Euro steigen die steuerpflichtigen Diäten nun auf rund 12.330 Euro, ein Plus von 4,2 Prozent oder 497 Euro. Erstmals knacken unsere Volksvertreter die 12.000-Euro-Marke. Der stetig wachsende Geldsegen läuft über den berühmten Nominallohnindex: Die Löhne steigen nominal – Zack, steigen auch die Diäten. Genialer Trick, um die Hände in Unschuld zu waschen: „Wir waren’s nicht, der Index war’s!“
Diese Automatik haben sich die Abgeordneten zu Beginn der Legislaturperiode 2025 selbst auf Dauer verpasst – ein Akt purer Selbstbedienung. Keine Debatte, kein öffentliches Votum, nur eine Drucksache von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die das Ganze verkündet. Sie profitiert übrigens doppelt: Als Präsidentin bekommt sie eine zweite volle Diät als Amtsgehalt, also künftig knapp 24.661 Euro monatlich – fast 1.000 Euro mehr. Ihre Stellvertreter landen bei über 18.000 Euro.
Noch üppiger wird’s bei der Altersversorgung: Pro Mandatsjahr gibt’s 2,5 Prozent der Diäten als spätere Entschädigung. Nach vier Jahren – also einer normalen Legislatur – sind das zehn Prozent, künftig etwa 1.233 Euro monatlich lebenslang. Vier Jahre Politik machen, und die Rente ist sicher, für die Otto Normalbürger 30–40 Jahre einzahlen muss. Das ist kein Ausgleich für Risiken oder Verzicht – das ist ein feudales Privileg, finanziert aus Steuergeldern, während die Rentenformel für alle anderen mit Nachhaltigkeitsfaktor und Beitragssatz gedeckelt wird.
Es ist die dritte fette Erhöhung seit 2022: 6 Prozent, dann 5,4 Prozent, jetzt wieder 4,2 Prozent. Während Reallöhne oft stagnieren oder nur minimal zulegen (2025: +1,9 Prozent bei 2,2 Prozent Inflation), klettern die Diäten munter am Nominal-Index hoch – unbeeindruckt von Krisen, Sparzwängen oder Bürgerfrust.
Dieses Selbstbedienungssystem schreit nach Reform: Kopplung an Reallöhne statt Nominalwerte , eine unabhängige Kommission, die transparent begründen muss, warum jetzt wie viel, und in Krisenjahren: Nullrunde. Vor allem aber: offene Abstimmung statt Hinterzimmer-Autopilot. Wer mehr Geld will, soll es wenigstens ehrlich sagen – und nicht so tun, als wäre es ein Naturgesetz.
(SB)























