Das Jobcenter im hessischen Waldeck-Frankenberg hat das Stück aus dem Tollhaus namens deutscher Sozialstaat um ein weiteres Kapitel bereichert. Damit Bürgergeld-Empfänger rechtzeitig zum Vorstellungsgespräch oder zur Arbeit kommen, stellt Behörden-Chef Otto Richter ihnen Autos zur Verfügung. Eine Fahrt mit der notorisch unpünktlichen Bahn will er ihnen wohl nicht zumuten. Dank der Kooperation mit einem Autohaus, ließ er gleich vier neue Toyota Aygo (Grundpreis jeweils 16.000 Euro) anschaffen. Im Kuschel-Nanny-Vollbetreuungsparadies wird auch noch die letzte Unannehmlichkeit für “Arbeitssuchende” vom Staat abgefedert.
Dies sei eine „wichtige Hilfestellung, um Bürgergeld-Empfängern ein Leben außerhalb der staatlichen Unterstützung zu ermöglichen“, so Richter. Viele Arbeitslose würden sich in dem Teufelskreis: kein Auto – keine Arbeit. Keine Arbeit – kein Auto befinden. Wer Bürgergeld beziehe, dürfe nur geringe Ersparnisse haben. Einen Kredit – etwa für den Autokauf – bekomme meist nur der, der einen festen Arbeitsplatz nachweisen könne. Ein Pkw sei vor allem für diejenigen wichtig, die sich auf einen Job im Schichtdienst bewerben und die auf dem Land wohnen.
Alternative Nutzung als “Dienstautos“ für Jobcenter-Mitarbeiter
Wie in vielen Regionen Deutschlands führen auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg zu wenig und zu selten Züge und Busse. Von denjenigen, die ein halbes Jahr durchhalten würden, hätten 70 Prozent eine Langzeitbeschäftigung. Letztes Jahr gab es Pilotprojekte mit dem Auto-Service. In 278 Fälle seien Bürgergeld-Empfänger bereits in Jobs vermittelt worden. Laut Richter betrug die durchschnittliche Leihzeit ein bis zwei Monate. Wenn die Autos nicht benötigt würden, könnten sie von den Mitarbeitern des Jobcenters als Dienstautos genutzt werden.
Ungeachtet dessen, ob die Erfolgsbilanz tatsächlich auf die Wagen zurückzuführen ist, drängt sich natürlich die Frage auf, wie eigentlich normale Arbeitnehmer, die sich vielleicht trotz Job kein Auto leisten können, aber die vier Jobcenter-Toyota bezahlt haben, zu ihrer Arbeitsstelle kommen. Hier wird niemand die Begründung akzeptieren, dass zu wenige Busse und Bahnen in einem Kreis mit immerhin 155.000 Einwohnern zur Verfügung stünden. Der Fall zeigt wieder einmal, dass der deutsche Sozialstaat keine Kosten und Mühen scheut, um das Geld der Steuerzahler zu verbraten. (JS)























