Siegreiche Grünen-Kandidatin von "Mohammeds Gnaden": Hannah Spencer vor ihrer Entourage (Symbolbild/Collage:Wikicommons/DerStatus)
[html5_ad]

Nach „ethnischem Wahlkampf“ in Großbritannien: Muslimische Wähler hieven grüne Kandidatin ins Unterhaus

Bei der notwendig gewordenen Nachwahl im Wahlbezirk Gorton & Denton im Großraum Manchester wurde die grüne Kandidatin Hannah Spencer ins Westminster-Parlament gewählt – und sogar der Mainstream muss eingestehen, dass dieser Wahlsieg maßgeblich auf den hohen muslimischen Wähleranteil von 28 Prozent alleine in diesem Wahlkreis zurückzuführen ist.

Vor allem aber ebenfalls auch auf einen Wahlkampf, bei dem sich die Kandidatin ganz auf die Themen dieser Bevölkerungsgruppe einstellte – und dafür sogar grüne Kernthemen ausblendete oder kaum ansprach.

Moslem-Mehrheit in Ost-Manchester

Der Wahlkreis, früher eine Hochburg der Textilindustrie, ist aus demographischer Sicht ein Brennglas in der Peripherie britischer Großstädte. Während das etwas östlichere, im vorstädtischen Bereich („Tameside“) liegende Denton nach wie vor zu 90 Prozent eine weiße Arbeiterstadt ist, sieht es im westlichen Teil, der noch zu Manchester gehört, ganz anders aus. Denn Viertel wie Levenshulme, Belle Vue oder Longsight haben längst riesige muslimische Bevölkerungsanteile mit Wurzeln in Südasien, vor allem in Pakistan.

Besonders ausgeprägt ist dieser Befund im direkt an der Stadtgrenze liegenden Longsight: Schon in der Volkszählung von 2011 machten nicht-weiße Einwohner satte 73 Prozent aus, wobei „südasiatische Muslime“ rund 55 Prozent der Bevölkerung der wirtschaftliche schwachen und von Gang-Gewalt geprägten Gemeinde ausmachten. In manchen Vierteln stellen sie sogar bis zu sagenhaften 83 Prozent der Bewohner. Die dominierenden Linksparteien stellen seit Jahren bei Kommunalwahlen dort häufig Kandidaten aus der Community auf.

Gaza-Wahlkampf auf Urdu und im Pali-Tuch

Dass Moslems im gesamten Wahlkreis rund ein Drittel der Einwohne ausmachen, wusste auch Hannah Spencer, die nunmehrige Spitzenkandidatin der Grünen für den Wahlkreis, der bislang als Hochburg der regierenden Labour-Partei galt. Schon länger war absehbar, dass diese bei der Nachwahl abstürzen würde. Während sich die „weiße Arbeiterschicht“ zunehmend der Farage-Partei „Reform UK“ zuwandte und diese auf den zweiten Platz brachte, mussten sich Labour & Grüne um die Migrantenstimmen balgen.

Und Spencer stattete sich entsprechend aus: Sie setzte bei der Mobilisierung muslimischer Wähler unter anderem auf deren Unzufriedenheit mit der Regierungsposition zum Krieg Israels in Gaza. Sie ließ Flyer in der pakistanischen Amtssprache Urdu aushändigen, die sie im Palästinensertuch („Kufiya“) zeigten. Dies kombinierte sie mit Ansprachen über „soziale Gerechtigkeit“ und Kritik an Milliardären, die auf Kosten von Arbeitern profitieren. Auf grüne Grundsatzthemen wie Umwelt & Klima verzichtete sie praktisch vollständig. Solche Auftritte und nicht etwa die inzwischen für linke Politiker untypische eigene Herkunft in Handwerk & Arbeiterschicht dürften ihr die Wahl gesichert haben:

Das Resultat war entsprechend: Spencer konnte tatsächlich vor allem migrantische Arbeiter für ihre Sache gewinnen und errang mit rund 40 Prozent der Stimmen den fünften Sitz ihrer Partei für das Westminster-Parlament.

Dank Migranten-Stimmen in Westminster

Labour hingegen kam mit rund 25 Prozent nur auf den dritten Platz, noch hinter Reform UK (28 Prozent), und musste die Kehrseite der „ethnischen Wahl“ kennenlernen, von der sie lang profitierte: Denn diese Wähler stimmen oft nach Eigen- und Community-Interesse und nicht Parteiloyalität ab.

Im Großraum Manchester konzentriert sich die wachsende islamische Community v.a. auf die Städte Bolton, Bury, Rochdale, Oldham und eben die südöstlichen Teile Manchesters, die nun den halben Wahlkreis ausmachten. Da dort generell viele Wahlkreise eine Mischung aus städtischen & vorstädtischen Gebieten beinhalten, reichte dies Labour bisher, mehr als zwei Drittel der Sitze im Ballungsraum einzuheimsen. Mit Umstrukturierungen in der „ethnischen Wahl“ dürfte sich die Couleur linker Parteien dort nun diversifizieren.

_________________________________________

Dieser Beitrag erschien auch auf „Der Status

8e0908d99b6c4d27be3dfa95c8d2b8d7
image_printGerne ausdrucken

Themen