Frieren für Klima und Frieden (Symbolbild:Shutterstock
[html5_ad]

Wegen iranischen Angriffen auf Flüssiggasanlagen: Kommt es bei uns nun doch zur Gasmangellage?

Der Iran-Krieg könnte die selbstverschuldete deutsche Energiekrise noch weiter verschärfen. Die Füllstände der Gasspeicher nähern sich dem Nullpunkt, die iranischen Angriffe auf zwei Gasanlagen von QatarEnergy haben dazu geführt, dass das Unternehmen, das im Persischen Golf über die weltgrößten Produktionskapazitäten für verflüssigtes Erdgas verfügt, den kompletten Stopp der Produktion mitteilte. Die Blockade der Straße von Hormus durch die Mullahs wirkt sich auf die gesamte Weltwirtschaft aus, die Weltmarktpreise für LNG schossen nach der Meldung von QatarEnergie sofort nach oben. Die fünf wichtigsten Pipeline-Gaslieferanten Europas sind Algerien, Norwegen, Russland, Großbritannien und Aserbaidschan. Dadurch ist Europa weitgehend unabhängig von den Ereignissen am Golf. Dagegen gehen über 80 Prozent der Flüssiggaslieferungen durch die Straße von Hormus nach Asien.

Allerdings wird Europa nicht vom weltweiten Preisanstieg verschont bleiben. Je nachdem, wie lange der Konflikt und die Sperre der Handelsroute andauern werden, droht auch den ohnehin geschröpften deutschen Verbrauchern ein weiterer Kostenanstieg. Dass Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller verkündete, die Gasversorgung in Deutschland sei „aktuell sicher“, ist dann auch erfahrungsgemäß mehr Grund zur Sorge als zur Beruhigung. Immerhin räumte auch er ein, dass es Preiseffekte auf den Weltmärkten gebe, die „auch Deutschland spüren dürfte – abhängig von der Dauer des Konfliktes“. Private Haushalte hätten aber in der Regel längerfristige Verträge mit Preisgarantien. Die vor allem wegen der Energiepreise kollabierende deutsche Industrie dürfte es aber wesentlich härter treffen. Laut Eric Heymann von der Deutschen Bank, ist der Gaspreis für die Industrie mittlerweile weitaus wichtiger als der Ölpreis. Insgesamt habe sich die Ölpreisbindung des Erdgaspreises jedoch in den letzten Jahren abgeschwächt. Ein wesentlicher Grund dafür sei die Ausweitung der Erdgasproduktion in den USA dank Fracking. Dadurch seien die nordamerikanischen Gasmärkte zunehmend unabhängiger von den globalen Ölmärkten geworden.

Deutsche Verwundbarkeit durch Klima-Schwachsinn und Ukraine-Nibelungentreue rächt sich

Simone Tagliapietra vom Brüsseler Thinktank Bruegel erwartet jedoch nicht, dass die europäische Industrie aus dieser Situation Nutzen ziehen wird – auch weil Asien im Bedarfsfall leichter als Europa auf Kohle als Brennstoff umsteigen könne. Ohne die Gaslieferungen durch die Straße von Hormus könnte es sogar gezwungen sein, mit asiatischen Abnehmern um flexible Gaslieferungen auf dem Spotmarkt zu konkurrieren, wie es bereits 2021 bis 2023 der Fall war. „Dies würde die europäischen Gaspreise in die Höhe treiben, insbesondere da Europa mit deutlich geringeren Gasspeicherbeständen ins Jahr 2026 startete als in den Vorjahren“, so Tagliapietra. „Die Unterbrechung der LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten kommt zu einer Zeit, in der Europa mit historisch niedrigen unterirdischen Gasspeichern zu kämpfen hat, die am Ende des Winters auf dem niedrigsten Stand seit mindestens 2022 und vielleicht sogar seit 2018 sein werden“, sagte Natasha Fielding, von der Preisagentur Argus Media. Die Vorräte der EU lägen bei knapp 30 Prozent der Kapazität, gegenüber 53 Prozent der Kapazität ein Jahr zuvor. „Der Unterschied zum Vorjahr entspricht fast 100 LNG-Lieferungen“, so Fielding. Zum Glück für Europa werde für die nächsten zwei Wochen mildes Wetter vorhergesagt, was die Gasnachfrage der Haushalte niedrig halten und es dem Kontinent ermöglichen dürfte, mit einer begrenzten Entnahme aus den Vorräten auszukommen. Die eigentliche Herausforderung werde im Sommer kommen, wenn Europa seine Vorräte für den nächsten Winter wieder auffüllen müssen. Eine längere Unterbrechung der Lieferungen vom Persischen Golf „würde Bedenken darüber aufkommen lassen, wie Europa seine Gasversorgung im nächsten Winter sicherstellen kann“.

So oder so rächt sich nun einmal mehr, dass Deutschland und Europa sich durch ihren Klima- und Ukraine-Wahnsinn völlig unnötigerweise verwundbar gemacht haben. Die ohnehin schon überhöhten Preise drohen deshalb noch weiter zu steigen. Die letzte Hoffnung sind auch hier die USA. Denn Präsident Donald Trump kann sich vor dem Zwischenwahlen in diesem Jahr keinesfalls steigende Öl- und Gaspreise in seinem Land leisten und wird alles tun, um die Blockade der Straße von Hormus aufzubrechen. (TPL)

f5d8a4c6574a472786cbe2ffcfd4b2e4
image_printGerne ausdrucken

Themen