Wie nicht anders zu erwarte, dürfte es mit der angeblichen Freiwilligkeit der elektronischen Patientenakte (ePA) bald vorbeisein. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellte die weiterentwickelte Digitalisierungsstrategie ihres Ministeriums vor. Künftig werde die ePA nicht mehr nur ein Datensatz, sondern ein „digitaler Begleiter in der Versorgung“ sei. Neben der Hausarztpraxis und dem Terminservice (Rufnummer 116 117) soll sie eine der drei Säulen des geplanten Primärversorgungssystems sein – wobei Praxis und 116 117 auf die in ihr hinterlegten Daten zugreifen. „Die ePA ist dann der zentrale Dreh- und Angelpunkt, über den alles läuft und wo man dann Einblick nehmen kann, wo jemand gelandet ist, ob es das Ersteinschätzungsverfahren schon gab und ob eine elektronische Überweisung vorliegt. Das soll einheitlich laufen“, so Warken.
Wie genau die neuen ePA-Funktionen implementiert, ausgestaltet und betrieben werden, soll nun mit allen Beteiligten geklärt werden. Mehr sagte Warken dazu nicht, noch in diesem Quartal soll es in einem eigenen Gesetzentwurf aber erste Umsetzungsschritte geben. „Wir werden Tempo machen“, versicherte Warken. Kritik kommt von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): Solange die ePA nicht praxistauglich, stabil und ohne zusätzlichen Aufwand nutzbar sei, entstehe ein struktureller Mehraufwand im Praxisalltag“, erklärte Vorstandsmitglied Dr. med. Sibylle Steiner.
Leichter Zugriff für Hacker
Der Deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband sprach von einem „absurd komplizierten Registrierungsprozess“. Zudem gebe es häufige technische Störungen der ePA-Software und eine fehlende Volltextsuche in der Akte. Bislang verwalten nur 18 Prozent der gesetzlich Versicherten die ePA selbst oder mit Hilfe einer bevollmächtigten Person. 71 Prozent nutzen sie nicht aktiv, neun Prozent haben ihr widersprochen oder sie gelöscht. Bislang stößt das Vorzeigeprojekt also bestenfalls auf Desinteresse. Hinzu kommt, dass seine Umsetzung ebenso wenig funktioniert wie alles. Die ePA ist sinnlos kompliziert und dysfunktional.
Vor allem ist sie jedoch gefährlich, weil sie leichten Zugriff für Hacker bietet, wie der kritische Wissenschaftspublizist Norbert Haering ausführt. Sensibelste Daten sind leicht abgreifbar. Menschen mit schweren Krankheiten können erpressbar werden oder die Informationen geraten in die Hände Unbefugter. Es ist unverantwortlich, derart wichtige Daten zu zentralisieren, und das noch in einem Land, das der technischen Entwicklung derart hinterherhinkt wie Deutschland. Dennoch will Warken die ePA nun noch weiter ausbauen. Angesichts der zentralen Rolle, die sie ihr einräumt, kann es im Grunde gar nicht bei der Freiwilligkeit bleiben, sodass die Bürger gezwungen werden, sich auch noch in diesem Bereich völlig zu öffnen und darauf zu hoffen, dass niemand ihre Daten stiehlt. (TPL)























