Die Preise gehen durch die Decke – und die Autofahrer drehen mancherorts durch (Symbolbild:Shutterstock)
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Benzin ist das neue Klopapier: Typisch deutscher Panik-Run auf Tankstellen wegen Iran-Krieg

Die im Zuge des Iran-Krieges befürchtete massive Preissteigerung für Öl sorgt bundesweit für Hamster- und Panikkäufe auch bei Benzin. Am Sonntagabend hat dies an einer freien Augsburger No-Name-Billigtankstelle zu einem Tumult geführt, weil Massen von Autofahrern ihren Wagen noch einmal günstig volltanken wollten. „Die freie Tankstelle an der Bergiusstraße unweit der viel befahrenen Nord-Süd-Verbindung B300 ist wegen ihrer günstigen Spritpreise ohnehin schon immer gut besucht, doch solch einen Andrang wie heute habe ich dort noch nie erlebt“, berichtet ein Autofahrer gegenüber „Bild“. Gewöhnlich würden an der rund um die Uhr geöffneten Tankstelle meist etwa fünf Autos betankt, am Sonntag hätten aber bis zu 35 in der Warteschlange gestanden.

Als um 18 Uhr an einer der sechs Zapfsäulen auch noch das E10-Benzin ausging, war das Chaos perfekt. Der Tankstellenbetreiber klebte einen Hinweis an die Zapfsäule, dass die Sorte mit zehn Prozent Bioethanol erst ab drei Uhr wieder verfügbar sei. Zwischen zwei Fahrer kam es zu einem so heftigen Streit darüber, wer als Nächstes dran war, dass die Polizei hinzugezogen werden musste.

Wenn der Verstand aussetzt

Auslöser des Ansturms waren vermutlich Meldungen, die mittags über Preissteigerungen wegen der am Vortag begonnen Luftschläge der USA und Israels gegen das iranische Mullah-Regime berichtet hatten. Dies setzte offenbar die altbekannten deutschen Sparinstinkte in Gang, die man auch von wesentlich banaleren Anlässen kennt. Egal, ob ein Dönerladen bei der Eröffnung Ein-Euro-Döner anbietet, ein Supermarkt Rabatte anbietet oder sich sonst irgendwo die Möglichkeit abzeichnet, ein wenig Geld zu sparen, setzt bei einer erschreckend hohen Anzahl von Deutschen der Verstand aus.

Für winzige Geldsummen sind sie dann bereit, wertvolle Lebenszeit zu opfern, sich stundenlang in Schlangen zu stellen und mit jedem Streit vom Zaun zu brechen, der sich ihrer Pfennigfuchserei in den Weg stellt oder sich gar einen aus ihrer Sicht ungerechten Vorteil verschafft. Dies zeigte sich etwa auch bei der Klopapier-Hamsterei in der Corona-Anfangsphase. Die Szenen an der Augsburger Tankstelle bestätigen diese nicht nur, aber besonders hierzulande tief verwurzelte Unsitte erneut. (TPL)

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