Der Wehrbeauftragte und CDU-Parteisoldat Henning Otte hat in seinem Jahresbericht 2025 am Dienstag präsentiert und allen Ernstes vorgeschlagen, das Höchstalter für den Wehrdienst, vor allem in der Reserve, von 65 auf 70 Jahre anzuheben. Das scheint aktuell die kreativste Form von Personalbeschaffung seit dem Volkssturm 1945 zu sein.
Die Bundeswehr braucht dringend 260.000 Aktive und 200.000 Reservisten, und da junge Leute offenbar keine Lust haben, das beste Deutschland ever zu verteidigen, soll der Rentner ran.
Die Truppe hat Ende 2025 läppische 184.000 Aktive, trotz Rekord-Einstellungen von 25.000 im Vorjahr – dem besten Wert seit der genialen Aussetzung der Wehrpflicht 2011. Die Abbruchquote dümpelt bei 20 Prozent vor sich hin, Kasernen gammeln vor sich hin, Bürokratie frisst jeden Elan, und die gesellschaftliche Wertschätzung für den Soldatenberuf liegt irgendwo zwischen Mitleid und Gähnen.
Am Dienstag nun die Vorschläge des CDU-Wehrbeauftragten: Nicht etwa: Kasernen sanieren, Sold verdoppeln, Verwaltung um 80 Prozent kürzen, echte Karrierechancen bieten und die Jugend mit echten Argumenten locken. Nein – lasst die 67-Jährigen mit Prostata-Problemen und Arthrose noch ein paar Jahre länger in die Reserve einrücken. Genial. In Schweden geht das ja auch. Das mag eventuell daran liegen, dass Schweden eine Wehrkultur hat, die nicht vor 15 Jahren abgeschafft wurde.
Die Botschaft an alle unter 30 ist kristallklar: „Kommt gar nicht erst – wir haben ja noch Opa und Oma als Backup.“ Auf X hagelt es Spott vom Feinsten: „Volkssturm 2.0“, „Rentner an die Gewehre“, „Nächster Schritt: Wehrdienst bis 80, mit Rollator“. Und das zu Recht. Dieser Vorschlag ist kein Plan, sondern ein Offenbarungseid. Jahrzehnte Unterfinanzierung, Vernachlässigung und politisches Wegducken haben die Bundeswehr ausgeblutet – und jetzt soll die Generation, die schon jahrelang brav Steuern gezahlt hat, die Löcher stopfen.
Eine echte Lösung würde radikal anders aussehen: Mindestens 4.000 Euro netto für Freiwillige, moderne Arbeitsbedingungen, Anerkennung im Zivilen und vor allem den Mut, zuzugeben, dass Freiwilligkeit allein nicht reicht. Dann käme die ehrliche Debatte über eine echte, geschlechterübergreifende Dienstpflicht – früh, fair, für alle. Stattdessen kriegen wir diesen peinlichen Vorschlag, der die Bundeswehr noch unattraktiver macht und die Ernsthaftigkeit der Sicherheitslage ad absurdum führt.
(SB)























