In der Nacht vom 5. März ist nach einem Angriff auf einen Öltanker vor der Küste Kuwaits Rohöl in den Persischen Golf ausgetreten. Eine Katastrophe ersten Ranges. Ausgerechnet in jenes Meer, aus dem ein großer Teil des Trinkwassers der arabischen Halbinsel gewonnen wird, floss Rohöl. Der Vorfall betrifft somit eine der empfindlichsten Infrastrukturen der Region: die Meerwasserentsalzung. Auch wenn dieser iranische Angriff vielleicht entgegen erster Befürchtungen doch noch nicht die große Umweltkatastrophe war: Diese könnte jederzeit eintreten – mit fatalen Folgen.
Ganze Bevölkerungen der Region trinken Wasser aus Entsalzungsanlagen
Der Grund: Rund 40 bis 50 Prozent der weltweiten Meerwasserentsalzungskapazität stehen am Persischen Golf. Hunderte Anlagen entlang der Küsten von Kuwait, Saudi-Arabien, Qatar, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman produzieren täglich gewaltige Mengen Trinkwasser. Insgesamt entstehen dort mehr als 30 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Tag, also über 10 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Damit werden weit über 100 Millionen Menschen versorgt – mehr als die Bevölkerung Deutschlands. Städte wie Kuwait-Stadt, Dubai, Abu Dhabi oder Dschidda existieren praktisch nur dank dieser Wasserfabriken am Meer.
Warum Ölteppiche für Entsalzungsanlagen gefährlich sind
Die Anlagen saugen Meerwasser direkt aus dem Golf an. In modernen Anlagen wird es anschließend durch Membranen gepresst, ein Verfahren namens Umkehrosmose. Gelangt Öl in dieses Rohwasser, können Filter und Membranen beschädigt werden; Betreiber müssen die Produktion drosseln oder Anlagen abschalten. Schon kleinere Verschmutzungen oder Algenblüten haben in der Vergangenheit zu Stillständen geführt. Ein größerer Ölteppich im Ansaugbereich wird die Trinkwasserproduktion ganzer Städte beeinträchtigen.
Moderne Brunnenvergiftung
Der Persische Golf ist damit mehr als eine Ölregion. Er ist die Wasserquelle einer ganzen Wüstenregion. Wenn Verschmutzungen die Ansaugstellen der Entsalzungsanlagen erreichen, wird aus einem Tankerunfall schnell ein Problem der Trinkwasserversorgung. Genau deshalb beobachten Experten derzeit vor allem die Ausbreitung des Ölteppichs im Golf. Aus der Geschichte sind Brunnenvergiftungen bekannt, die als Kriegswaffe eingesetzt wurden. Ein Öltanker ist ein höchst verletzliches Ziel.
Ölkatastrophen zeigen die Dimension solcher Lecks
Die Geschichte kennt Beispiele, wie weit sich Öl nach Tankerunfällen ausbreiten kann. 1989 verseuchte die Exxon Valdez vor Alaska ein riesiges Meeresgebiet. 1978 verschmutzte die Amoco Cadiz vor der Bretagne mehr als 300 Kilometer Küste. Solche Katastrophen zeigen, dass Ölteppiche nicht lokal bleiben, sondern mit Strömungen treiben und große Gebiete erreichen können.
___________________________________
Dieser Beitrag erschien auch MMNews.























