Vom Spitzenkandidaten der Partei, die mit dem CO2-Preis die Zerstörung der deutschen Deindustrialisierung und zunehmend Wohlstandsvernichtung Vorschub leistet und sich völlig zum Bettvorleger grünsozialistischer Klima-Ideologie gemacht hat, sollte man zumindest erwarten können, dass er zumindest die primitivsten Zusammenhänge der behaupteten angeblichen Klimamechanismen, in der Namen ganz Deutschland transformiert und vor allem das Autoland Baden-Württemberg Rück abgewickelt wird, erklären kann – und wenn schon nicht vor Erwachsenen, dann wenigstens vor Schulkindern. Dass Manuel Hagel, der in Baden-Württemberg mit oder unter grüner Beteiligung regieren möchte, nicht einmal dazu imstande ist, liegt nicht an seiner rein individuellen Ahnungslosigkeit; es ist ein Symptom dafür, wie vollständig Ideologie in diesem Land Vernunft und Sachverstand ersetzt hat und mit welcher unreflektiertes Selbstverständlichkeit Politiker, wahnwitzige Entscheidungen treffen und das ganze Jahr über politische Notwendigkeiten behaupten und Dinge erzählen, an deren Grundlagen sie selbst nicht glauben oder die sie nicht einmal ansatzweise begreifen.
Dass bei Hagel die Nerven kurz vor der Landtagswahl am Sonntag blankliegen, mag nur vordergründig eine Entschuldigung für seinen No-Brainer-Anfall vor wenigen Tagen beim Besuch einer Gesamtschule sein, wo er sich bis auf die Knochen blamierte, indem er mal eben den Treibhauseffekt mit dem Ozonloch verwechselte und physikalisch unsinniges Zeugs erzählte. Hagel ist der Prototyp eines aalglatten Politopportunisten, der ausschließlich darüber nachdenkt, wie er kompetent wirken kann und aus verfänglichen Situationen wieder herauskommt, indem er bloß nicht sagt, was er weiß oder nicht weiß, sondern konform zu dem zu bleiben versucht, womit er am wenigsten aneckt. Zur Gesichtswahrung bügelte er dazu sogar noch die Lehrerin vor der Klasse schroff ab.
Peinliches Halbwissen
Zunächst war Hagel zögerlich deren Aufforderung nachgekommen, den Treibhauseffekt zu erklären. „Zwischen der Erde und der Sonne ist die Atmosphäre. Und wenn die immer dünner wird, dann wird die Sonne immer heißer. Und der Grund dafür sind Abgase, CO2 und und und. Und das ist dieser Treibhausgaseffekt. Alright, oder? Hat das so gepasst Frau Petzhold, einigermaßen?“, schwadronierte er. Nein, da hat gar nichts gepasst, denn wenn, dann würde “die Atmosphäre” nicht “dünner” (das war die Ozonschicht, infolge FCKW et cetera, falsches Jahrzehnt, falscher Alarmismus!), und die Sonne wird auch nicht “immer heißer”. Die Lehrerin Ulrike Petzold zeigte sich dennoch „beeindruckt“ – was entweder daran liegen mochte, dass sie nur freundlich bleiben wollte, oder dass sie von ihren Schülern noch weitaus präpotenteren Stuss zu hören bekommt, wovon sich Hagels (nicht einmal) Halbwissen wohltuend abhob.
Die Stimmung verschlechterte sich jedoch bald: Als ein Schüler wissen wollte, ob Hagel die von der grünen Landesregierung eingeführte Gesamtschule abschaffen wolle oder meine, „dass es weniger wird?“, antwortete Hagel mit einem knappen „Nein“. Auf die Frage, ob er wolle, dass die Gemeinschaftsschule ausgebaut werde, entgegnete er ebenfalls „Nein“ und erklärte, die CDU sei „für ein gegliedertes Schulsystem sind auf dem Niveau, wo wir jetzt sind“. Deshalb wolle man „eine Debatte über Qualität in den Schulen und keine neue Schulstruktur diskutieren“. Als er auf die CDU-Wahlkampfforderung hinwies, das letzte Kindergartenjahr zu einem kostenlosen Pflichtjahr zu machen, um Kinder besser auf die Schule vorzubereiten, erinnerte Petzold daran, dass die CDU doch seit zehn Jahren in der Landesregierung sei. Deswegen wundere es sie, warum da so lange nicht reagiert wurde. Soviel Mumm hatte Hagel der netten Frau Petzold wohl gar nicht zugetraut, weshalb er sie anfuhr: „Ja, aber was ist denn die Alternative, dass wir jetzt nichts machen?“.
Der Hagel und die Petzold
Doch Petzold setzte noch einen drauf und erwiderte, dies sei “reines Blablabla im Wahlkampf” gewesen. Damit war die Atmosphäre zwischen den beiden endgültig vergiftet. Auf eine Schülerfrage zum Thema Inklusion erklärte Hagel, dass es dafür zu wenige Stellen gebe und zu wenige Lehrer ausgebildet würden. Das wolle die CDU korrigieren. Als Petzold auch hier nachhaken wollte, wies Hagel sie vor der gesamten Klasse mit den Worten zurecht: „Ich rede gerade mit dem Schüler!“ Da Hagels Schulbesuch vom ARD-Mittagsmagazin begleitet wurde, verbreitete sich sein Verhalten auch über die sozialen Medien, wo sich Kommentare finden wie dieser: „Wie geht er erst mit Frauen um, wenn die Kamera aus ist? Besonders christlich ist das nicht, es ist frauenfeindlich“ oder: „Sehr sympathisch, wie Manuel Hagel die Lehrerin ganz am Ende anschnauzt und abkanzelt. Offenbar waren ihm die Fragen zu kritisch. Die Nerven liegen blank und da zeigt sich der wahre Charakter“.

Für Hagel kommt dieser erneute Shitstorm zur Unzeit, nachdem gerade erst die – allerdings mehr als verlogene – Aufregung über einen acht Jahre alten Videoclip abgeebbt war, in dem der damals 29-jährige Hagel von der Anmut einer 16-jährigen Realschülerin “Eva” mit ihren “rehbraunen Augen“ ebenfalls nach einem Schulbesuch geschwärmt hatte. Es geht um viel – und doch nicht: Denn der sicher geglaubte Sieg der CDU bei der Wahl am Sonntag ist in großer Gefahr und der bis vor kurzem komfortable Vorsprung auf die Grünen ist zusammengeschmolzen. Derzeit liegen beide Parteien laut ZDF-Politbarometer bei 28 Prozent. Die Reaktionen auf Hagels Auftritt in der Schule, wo er nicht nur den Treibhauseffekt falsch erklärte, sondern auch noch die Lehrerin coram publico abkanzelte, dürften seine Siegeschancen im Stammland der Grünen kaum verbessert haben. Wenigstens braucht Frau Petzold nicht zu befürchten, dass sich Hagel an ihre rehbraunen Augen erinnern wird. (WF)























