Die schwedischen Zeitungen „Göteborgs Posten“ und „Svenska Dagbladet“ haben enthüllt, dass Videos und Fotos der neuen Ray-Ban-Brille des Meta-Konzerns von Mark Zuckerberg teilweise von Mitarbeitern externer Dienstleister in Afrika „ausgewertet“ werden. Dabei handelt es sich oft um Aufnahmen von Geheimzahlen an Geldautomaten, Bankdaten und intime Szenen. Trotz angeblicher Anonymisierung sind auch Gesichter oft klar zu erkennen. Um die Bilderkennung der Künstlichen Intelligenz (KI) zu verbessern, braucht es immer noch menschliche Augen, die Inhalte markieren und erläutern, um die Systeme zu trainieren. Die Privatsphäre der Nutzer bleibt jedoch auch hier wieder auf der Strecke. Mehrere Mitarbeiter des Unternehmens Sama mit Sitz in Nairobi schildern eine hohe psychische Belastung durch tägliche Zehn‑Stunden‑Schichten mit sehr persönlichen Inhalten.
Zugleich fürchten sie um ihre Jobs, weil es umfassende Vertraulichkeitsvereinbarungen gibt und Gespräche mit Außenstehenden zur Entlassung führen können. Zwar gibt es Hinweise zur Datennutzung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Die Nutzer stimmen der automatisierten und der menschlichen Auswertung der Inhalte zu, sofern sie die KI‑Funktionen verwenden. Aus den AGB geht jedoch nicht hervor, wie lange Daten gespeichert werden oder mit wem sie geteilt werden. Die Zustimmung ist unerlässlich für die Nutzung.
Reminiszenzen an Google-„Glassholes“ 2012
Gegenüber „Computer Bild“ erklärte Meta: „Mit Ray-Ban Meta-Brillen können Sie mithilfe von KI und ohne Einsatz Ihrer Hände Fragen zu Ihrer Umgebung beantworten. Sofern Nutzer die von ihnen aufgenommenen Medien nicht für Meta oder andere freigeben, verbleiben diese Medien auf dem Gerät des Nutzers. Wenn Nutzer Inhalte mit Meta AI teilen, beauftragen wir manchmal externe Dienstleister mit der Überprüfung dieser Daten, um die Nutzererfahrung zu verbessern, wie es auch viele andere Unternehmen tun. Wir ergreifen Maßnahmen, um diese Daten zu filtern, um die Privatsphäre der Menschen zu schützen und zu verhindern, dass personenbezogene Daten überprüft werden“. Die ist natürlich wieder einmal Augenwischerei, denn die Auswertung der Aufnahmen erfolgt in Kenia, dem die EU bislang kein angemessenes Datenschutzniveau attestiert.
So verständlich die Empörung über dieses Gebaren ist, so befremdlich ist sie auch. Denn dies ist wahrlich nichts Neues. 2012 startete Google seine Brille Google Glasses, die damals für Entsetzen sorgte, weil sie die Umgebung des Trägers ausspähen und sämtliche Aufzeichnungen der Nutzer auf konzerneigene Server übertragen konnte. Für Träger der Brille entstand sogar das Schimpfwort „glasshole“, abgeleitet von „asshole“, dem englischen Wort für „Arschloch“, ihnen wurde gar die Brille von der Nase geschlagen. Ob die Auswertung der Aufnahmen nun in Afrika oder anderswo erfolgt, ist letztlich irrelevant, weil der Datenschutz ohnehin nur auf dem Papier besteht. Auch der Staat bedient sich immer ausgefeilterer Überwachungstechnik. Dies ist die dystopische Zukunft, die bereits ihren Lauf nimmt, wenn es keinen umfassenden Aufstand dagegen gibt, worauf nichts hindeutet. Die meisten werden sich von den neuen technischen Möglichkeiten blenden lassen und den Verstand ausschalten. Deshalb ist die Aufregung über die Praktiken von Meta zumindest verlogen. (TPL)























