Kaum stand der überraschende, wenn auch am Ende äußerst knappe Sieg der Grünen bei der Landtagwahl in Baden-Württemberg fest, gingen die eigenen Nachwuchskader auch schon auf die Barrikaden dagegen. Noch am Wahlabend mäkelten Henriette Held und Luis Bobga, die beiden Vorsitzenden der Grünen Jugend, der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir müsse nun auch grüne Politik machen, indem er sich für Klimaschutz, Massemigration und ein AfD-Verbot einsetze. Auf der Wahlparty verwehrte die Grüne Jugend sogar Boris Palmer den Zutritt – dem Ex-Grünen und Oberbürgermeister von Tübingen, der in seiner früheren Partei zur verhassten Unperson wurde, weil er sich vehement gegen den Migrationswahnsinn und andere grüne Lebenslügen aussprach.
Kaum habe er das Foyer betreten, sei er von zwei jungen Männern, „ganz klar Grüne Jugend“, angeraunzt worden, so Palmer. „Mir wurde gesagt, dass ich Cem schade und wieder gehen soll.“ Niemand habe ihn eingeladen, er solle verschwinden. Ryyan Alshebl, der Bürgermeister der Gemeinde Ostelsheim, bestätigte den Vorfall. „Es war kein freundliches Gespräch, und das lag nicht an Boris Palmer“, sagte er. Solch schlechtes Verhalten habe er zuletzt in der Grundschule erlebt. Die Grüne Jugend in Baden-Württemberg wollte sich dazu nicht äußern. Wieso sich Palmer indes die Blöße gibt, auf ein Wahlparty der Partei zu gehen, die er verlassen hat und wo etliche seiner geschworenen Feinde sind, für die er als lediglich moderat Linksextremer natürlich selbst schon als Nazi gilt, bleibt ein Rätsel.
Palmer soll kein Ministeramt kriegen – fordert die grüne Parteijugend
Damit nicht genug: Weil Palmer dem realo-pragmatischen, natürlich bauernfängerisch-wahlkampftaktischen Kurs von Cem Özdemir gutheißt und immer wieder als möglicher Minister in einer schwarz-grünen Regierung gehandelt wird, fordert die Parteijugend in einem Sechs-Punkte-Papier ausdrücklich, in der neuen Landesregierung dürfe es keinen Platz für Palmer geben. „Die Haltungen und wiederholten rassistischen Äußerungen des ehemaligen Grünen-Mitglieds Boris Palmer sind mit den Grundwerten unserer Partei unvereinbar,“ heißt es darin. Özdemir, der sich im Wahlkampf als pragmatisch-vernünftiger Realist inszeniert und seine Partei so weit wie nur möglich außen vor gelassen hatte, erhoffte sich durch die Hinzuziehung von Palmer, mit dem er auch persönlich befreundet ist, das Ansprechen breiterer Wählerschichten.
Palmer selbst hat nicht den geringsten Zweifel daran gelassen, dass er einem Minister- oder sonstigen Regierungsamt nicht abgeneigt wäre. „Wenn mich der Ministerpräsident des Landes anruft, habe ich die letzten 15 Jahre immer gesagt: Komm vorbei, lass uns drüber reden“. Er sei „gerne mit Rat und Tat da, wenn das gewünscht wird“. Und schließlich sei es ja der Ministerpräsident, der die Minister ernenne, „nicht mal der Landtag“. Ob Özdemir den Mut aufbringt, Palmer, der nicht nur bei der Grünen Jugend unbeliebt ist, tatsächlich ins Kabinett zu berufen oder ob er ihn nur als Feigenblatt für den Wahlkampf benutzte, bleibt nun abzuwarten. (TPL)























