Es gibt bundesweit keine rechte Hochschulgruppe, die in einem Studentenparlament vertreten ist. Personen und Positionen, die den Linken missliebig sind, werden an Hochschulen regelmäßig gecancelt – mal mit mehr, mal mit weniger großem Druck durch Antifa und andere linke Gruppen. Dennoch erhofft sich der Vorsitzende des Deutschen Akademikerverbands (DAV!), Dr. Christoph Birghan, ein 1968 von rechts. Wie realistisch das ist, darüber spricht er im Interview mit Jouwatch.
JOUWATCH: Herr Dr. Birghan, der DAV! wurde 2018 gegründet. Nun wollen Sie mit einer neuen Strategie die Hochschulen aufmischen. Was sind die Hintergründe?
BIRGHAN: Aufmischen ist vielleicht etwas zu weit gegriffen, aber wir wollen unseren Einfluss ausweiten und noch gezielter an den Hochschulen wirken. Der Hintergrund ist: Bislang hat sich der DAV! vor allem als Projekt gesehen, in dem Themen durch- und vorgedacht werden und dann Impulse für die Politik gegeben werden. Das hat in manchen Bereichen gut funktioniert, aber es hat nie die Wirkung entfaltet, die wir uns gewünscht haben. Nun wollen wir den Blick stärker auf akademische Netzwerke und auch Hochschulgruppen richten, die eigenständig politische Arbeit betreiben und so Einfluss gewinnen können.
Studentenverbindungen als enge, verschworene Gemeinschaft
JOUWATCH: Gäbe es das nicht schon mit den Studentenverbindungen? Sie sind ja selbst Burschenschafter…
BIRGHAN: Klares Nein. Die Burschenschaften haben zwar schon aus der Geschichte begründet ein politisches Wesen, sind aber keine politischen Organisationen im eigentlichen Sinne, und können daher nicht in dieser Weise aktiv werden. Natürlich entstehen dort auch Netzwerke und beispielsweise werden über Vorträge und Seminare Wissen produziert und Fähigkeiten vermittelt, aber es gibt eben doch einen entscheidenden Unterschied: Studentenverbindungen sind auf die Bildung einer engen, verschworenen Gemeinschaft ausgerichtet, sind aber kein Mittel zum Zweck. Das ist beim DAV! anders: er steht allen Akademikern, die unsere Ziele teilen, offen und will politisch nach außen wirken.
JOUWATCH: Warum denken Sie, ist es so wichtig, an den Hochschulen Einfluss zu gewinnen?
Grundlagen für tiefgreifende Veränderungen
BIRGHAN: Noch vor politischem Handeln und weit vor Wahlerfolgen müssen Ideen entwickelt, diskutiert, notfalls verworfen oder verbreitet werden. Das ist die Grundlage für eine echte politische Wende. Man braucht nicht zwingend ein Studium, um über politische Fragen nachzudenken oder in einem Bereich Experte zu werden. Aber die Hochschulen sind eben doch die Orte, an denen junge Menschen in großer Zahl das Rüstzeug dafür bekommen und sich vernetzen. Wir sollten diese Bildungsstätten daher nicht vernachlässigen, denn dort werden die künftigen Entwicklungen geistig vorbereitet und die Grundlagen für tiefgreifende Veränderungen gelegt.
JOUWATCH: Wie stellen Sie sich das genau vor?
BIRGHAN: Auf der Linken sehen wir ein differenziertes, ausgeprägtes Mosaik aus Stiftungen, Vereinen, Denkfabriken, Buchverlagen, Plattformen und Zeitschriften. Wir sehen hier auf der rechten Seite ein paar sehr schöne und wichtige Ansätze, aber eben nicht genug. Eigentlich müsste es beispielsweise zu jedem Spezialthema eigene Fachzeitschriften mit ein paar Tausend Abonnenten und mehreren Dutzend Autoren mit tiefer Kenntnis der jeweiligen Materie geben. Aber dazu braucht es nicht nur die Leser, sondern auch die entsprechenden Autoren und Ideengeber. Wir erhoffen uns von unserem neuen Ansatz, der stärker auf Netzwerke und Initiativen setzt, dass wir die Rahmenbedingungen schaffen, dass genau solche Projekte entstehen und sich entwickeln können – und wenn es nur dadurch ist, dass sich bei uns die richtigen Leute treffen.
JOUWATCH: Den Wunsch nach einem 1968 von rechts bezeichnen manche als derzeit unrealistisch…
BIRGHAN: Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir uns hohe Ziele setzen. Natürlich sind wir aktuell in einem stark links geprägten Hochschulumfeld weit weg von einem „1968 von rechts“. Aber wir sehen auch, dass viele junge Leute – auch an den Hochschulen – Antworten auf heutige Probleme eben nicht mehr im linken Spektrum suchen. Diese Leute dürfen wir bei ihrer Suche nicht allein lassen. Anstatt darüber zu diskutieren, ob der Wunsch nach einem 1968 von rechts zum jetzigen Zeitpunkt realistisch ist, möchte ich lieber die Ärmel hochkrempeln und mit der Arbeit beginnen. Es geht um die gesellschaftliche Hegemonie und da kommt man an den Hochschulen als einem zentralen Faktor der Zukunftsgestaltung nicht herum.























