Wo ist ein guter Psychiater, wenn man ihn wirklich mal braucht? Ein Bericht der „Zeit“ über den mentalen Zustand am Hamburger Thalia-Theater, wo auch einen Monat, nachdem der linksradikale Regisseur Milo Rau ein dreitägiges Tribunal über die AfD inszenierte, zeigt, in welcher erschütternden geistigen Verfassung die völlig linksdrehende Kulturblase dieses Landes sich befindet. Der bloße Umstand, dass sich politisch Andersdenkende auch nur in den Räumlichkeiten des komplett am Tropf des Steuerzahlers hängenden Theaters aufhielten, setzt einigen Mitarbeitern auch nach Wochen noch erheblich zu. „Verletzung“, „verbrannte Erde“, „Rassisten auf unserer Bühne“, „Eindringlinge“ sind Worte, die allen Erstens mit der Veranstaltung in Verbindung gebracht werden. „Es gab und gibt Krisensitzungen im Haus, Einzelgespräche, Aktionsgruppen, Betroffenenkreise“, schreibt die „Zeit“. Von einer Thalia-Mitarbeiterin höre man, Tränen seien geflossen, „weil Rechtspopulisten auf denselben Stühlen saßen, dieselben Garderoben benutzten und das Theater, ihr Theater, beschmutzt hätten“.
Die Theaterpädagogin Nora Patyk, die zum Team der „Künstlerischen Vermittlung“ gehört, ist noch immer entsetzt, dass sie dem konservativen Influencer Feroz Khan begegnet ist und dem „Welt“-Journalisten Frédéric Schwilden, der als Verteidiger der AfD auftrat, noch dazu. Zwar habe sie sich -immerhin!- nicht körperlich angegriffen gefühlt, irritiert aber schon, weil „hier jemand stand, der auf der Bühne Menschen verteidigt, die rechtsextreme und rechtspopulistische Positionen beziehen“. Da sei offenbar „ein Fremdkörper“ an dem Ort gewesen, „der bis dahin künstlerische Heimat, ein Safe Space war, der einen wärmte und schützte“, bemerkt der „Zeit“-Autor verständnisvoll. Die Intendantin Sonja Anders wirft sich vor, ihre „Mitarbeitenden“ nicht besser geschützt zu haben. Manche seien unter Neonazis aufgewachsen, hätten traumatische Erfahrungen mit Rechten gemacht, berichtet sie. Zwar stehe sie zu der Prozess-Inszenierung, aber nun müsse es an die Aufarbeitung gehen – etwa durch einen Faktencheck, Gesprächsveranstaltungen und neue Stücke, „um den Eindruck zu zerstreuen, das Thalia Theater sei ein Ort für Rechte“.
Stück aus dem Tollhaus
Ein anderer Mitarbeiter spricht von Vertrauensverlust, „wenn ein Theater Menschen mit AfD-Positionen auf die Bühne lasse, die ohnehin kein Recht hätten, gehört zu werden“. Und wieder ein anderer sagt, man müsse den rechten Geist, der sich in den Tiefen des Thalia eingenistet habe, nun mit einem linken Gegenprogramm wieder austreiben. Überhaupt warte die linke Community auf ein Statement der Intendantin, wie es zu alldem habe kommen können. Hier kann man wirklich von einem Stück aus dem Tollhaus sprechen, denn bei der Lektüre dieses Textes muss man sich immer wieder daran erinnern, dass dies keine Satire auf die Befindlichkeiten woker Spinner, sondern bitterer Ernst ist. Formal erwachsene Menschen, die dermaßen in ihrem linken Fanatismus verbohrt sind, dass sie den bloßen Anblick Andersdenkender nicht ertragen können, befinden sich noch Wochen später in einem psychischen Ausnahmezustand und schwafeln einen hysterisch-pathetischen Unsinn zusammen, der an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifeln lässt.
Hier zeigt sich, was geschieht, wenn Menschen sich nur und ausschließlich unter Gleichgesinnten bewegen und vor pseudo-moralischer Selbstgerechtigkeit kaum noch laufen können. Der „Zeit“-Text, dem man schon jetzt den Rang eines historischen Dokuments zubilligen muss, liefert einen entlarvenden Einblick in das durch und durch kranke Milieu, das nach wie vor an den Schaltstellen der Macht sitzt, sich in Parteien bis tief in die CDU hinein tummelt, die Kirchen längst dominiert, den NGO-Moloch bildet und dieses Land in ein Irrenhaus verwandelt hat. Ein von der Allgemeinheit durchgefüttertes Theater, das von selbst nicht überlebensfähig wäre, wird zum Tummelplatz und Therapiezentrum linker Gutmenschen, die in einer bizarren Parallelwelt leben und denen kein Realitätskontakt mehr zumutbar ist. Dies aufgezeigt zu haben, ist das Verdienst des „Zeit“-Textes, so absurd er auch ist. (TPL)























