Entspannen in der Hängematte; Bild: Shutterstock
Faulenzen: In Deutschland Staatsräson (Symbolbild: Shutterstock)
[html5_ad]

„Arbeitsmoral wie in der DDR“: In Deutschland werden die Unfähigsten, Angepasstesten und Faulsten belohnt

Der Journalist Eric Gujer hat seinen Schweizer Landsleuten in der „Neuen Zürcher Zeitung“ einen Einblick in die real existierenden Verhältnisse in Deutschland geboten. Dort würden „die Faulen, die Abzocker und die Duckmäuser“ belohnt, stellt er gleich zu Beginn fest. Damit es wieder aufwärtsgehe, genügten nicht nur Strukturreformen – es brauche eine andere Mentalität. Dazu führt er drei Beispiele an, nämlich den „rheinischen Sozialschmarotzer“, bei dem es sich einen seit 23 Jahren in Köln lebenden Bosnier handelt, der, trotz zweier abgelehnter Asylanträge in den Jahren 2003 und 2007 und mehrerer Straftaten, nicht nur nicht abgeschoben wurde, sondern wegen seiner acht Kinder auch noch 87.000 Euro Sozialhilfe im Jahr kassiert. Die Stadt Köln finde, dass hier alles seine Richtigkeit habe, da eine Abschiebung wegen der in Deutschland geborenen Kinder nicht zumutbar sei, so Gujer.

Sein zweites Beispiel sind die 600 Passagiere, die am Münchner Flughafen eine ganze kalte Winternacht an Bord ihrer Maschinen verbringen mussten, da weder Busfahrer zur Verfügung standen, um sie zum Terminal zu bringen und der Flughafen nicht über einen Bereitschaftsdienst für Notfälle verfügt. Und die Flughafenfeuerwehr leistete zwar die ganze Nacht Dienst, es war jedoch niemand mehr da, um sie zu alarmieren. Und das dritte Beispiel sind die Ermittlungen gegen einen Rentner, der Lügenkanzler Friedrich Merz als „Pinocchio“ bezeichnet hatte. Die drei Beispiele zeigten, wie Selbstbild und Wirklichkeit in Deutschland auseinanderklaffen, so Gujer. Wer sich nicht gerade in einer rot-grünen Subkultur bewege, erwarte von Deutschland, dass es sich um einen demokratischen Rechtsstaat mit Weltklasse-Infrastruktur handele, in dem sich Leistung und nicht Faulheit lohne. Dies sei jedoch schon lange nicht mehr der Fall. Ein früher funktionierendes System sei inzwischen dysfunktional. Niemand habe es willentlich ruiniert, es sei aber auch niemand den ins Uferlose gewachsenen Ansprüchen entgegengetreten. Die Massstäbe, was angemessen und anständig sei, seien erodiert. Der Sozialstaat präsentiere sich „als Selbstbedienungsladen, den die Dreisten und die Frechen wie der clevere Vater von acht Kindern fast nach Belieben austricksen können“.

Treffende Schweizer Fremddiagnose

Die letzte Woche vom Bundestag beschlossene, angebliche große Umgestaltung der Sozialhilfe erschöpfe sich in Wahrheit im Klein-Klein. Doch die Wähler und Steuerzahler, die den Abzocker von Köln durchfüttern müssten, protestierten nicht. Wie auch? Es gelte als normal, die Allgemeinheit auszunehmen. Der Ruf nach Sanktionen wird als soziale Kälte gebrandmarkt. Das Anspruchsdenken verhindere, dass sich jemand über das Kleingedruckte in seinem Arbeitsvertrag hinaus verantwortlich fühle. Die auf dem Rollfeld gestrandeten 600 Menschen seien egal, wenn man Feierabend habe. Die gesamtdeutsche Arbeitsmoral nähere sich der DDR an, so Gujers Beobachtung. „Privat geht vor Katastrophe“, habe es dort geheißen, wenn es zu begründen galt, warum man nachts um eins keine Busfahrer fand. Die Verantwortungslosigkeit beschränke sich nicht auf die Generation Z, Lifestyle-Teilzeitarbeiter, den öffentlichen Dienst und wer sonst noch zu den üblichen Verdächtigen der Produktivitätsmisere zähle, sondern fange ganz oben an und pflanze sich bis nach unten fort. Das schlechte Beispiel werde zur Rechtfertigung für den kollektiven Dienst nach Vorschrift. Ausnahmeleistungen seien beinahe verdächtig. Sie würden nicht mehr gefordert und eher selten erbracht. Sonst gerate die Work-Life-Balance ins Wanken.

Wenn bei Staatsunternehmen Schlendrian und Wurstigkeit um sich greifen, dann löse das ein mildes Schulterzucken aus. Wenn aber ein Rentner den Kanzler mit der trotz allem liebenswerten Hauptfigur aus einem literarischen Klassiker vergleicht, gerate „die Staatsmacht in Erregung“, so Gujer. Nicht nur AfD-Wähler würden sich fragen, was aus ihrem Land geworden sei. Damit es wieder aufwärts gehe, brauche es nicht nur Strukturreformen und mehr Exporte, sondern vor allem: „ein anderes geistiges Klima und eine Mentalität, die nicht die Faulen, die Bürokraten und die Duckmäuser zu deutschen Helden erklärt“. Schweizer, die sich fragen, wie ihr Nachbarland in einen derart desolaten Zustand geraten konnte, finden bei Gujer einige der Gründe. Seine Aufzählung des alltäglichen Wahnsinns in Deutschland streift aber nicht einmal die Oberfläche. Um ihn auch nur annähernd erschöpfend darzustellen, wäre ein ganzes Buch erforderlich. (TPL)

80b4e32f4331403f9b345638bf5d13cf
image_printGerne ausdrucken

Themen